Engagement

Alba macht Schule: Ein Besuch in der Albert-Gutzmann-Schule

An 150 Berliner Schulen trainieren Übungsleiter des Basketballvereins Alba Berlin mit den Schülern. Vier Personen erzählen, was das Projekt „Alba macht Schule“ so außergewöhnlich macht.

Ich spiele Basketball seit ich zwölf Jahre alt bin, außerdem habe ich Sportwissenschaften an der Hochschule für Gesundheit und Sport in Lichtenberg studiert. Über ein Praktikum bin ich bei Alba gelandet. Dort trainiere ich heute zwei Teams: die weibliche U13 und als Co-Trainer auch die Damen-Regionalligisten. Insgesamt arbeite ich 30 Stunden pro Woche als fest angestellter Trainer: 14 Stunden im Alba-Nachwuchsbereich, 16 Stunden hier an der Schule. Ich begleite den Sportunterricht und trainiere zusammen mit Tomas die Basketball-AG. Hierhin kommt jeder freiwillig. Wir versuchen, die Schüler spielerisch an den Basketball heranzuführen – sodass sie am Ende des Tages gar nicht merken, dass sie eine neue Technik gelernt haben.

TOM GRAWE, 26, Basketballtrainer bei Alba Berlin

Die Schüler lieben es, dass sie bei ,Alba macht Schule’ nicht nur trainieren, sondern echte Turniere spielen und sich in der Alba-Grundschulliga mit anderen Schulen messen können. Für die Schule hat die Kooperation mit Alba viele Vorteile: Wir sind eine Brennpunktschule, für 90 Prozent der Kinder hier ist Deutsch nicht ihre Muttersprache. Viele Familien beziehen Transferleistungen oder sind Asyl suchend. Außerhalb der Schule haben viele nicht die Möglichkeit, neue Sportarten auszuprobieren oder gar in einem Verein zu spielen. Basketball ist ideal für unsere Schüler: Es fördert die koordinative Wahrnehmung, die psycho-motorische Entwicklung und die soziale Kompetenz. Sie müssen den Trainern und Mitspielern zuhören, sich auf sie einlassen und die Regeln akzeptieren. Sie müssen ein Team sein, sonst wirft man in einem Spiel keine Körbe.

SABINE GUTSCHKE, 50, koordinierende Erzieherin im Ganztagsbereich der Albert-Gutzmann-Schule

Wir arbeiten mit 150 Partnerschulen und 40 Kitas in ganz Berlin und teilweise sogar in Brandenburg zusammen, um unseren Sport – Basketball – an die Schulen zu bringen. Natürlich werden wir oft gefragt, warum wir das alles machen. Die Antwort ist ganz einfach: Wir engagieren uns, weil wir auch davon profitieren. Die Alba-Jugend ist ein eigenständiger Verein – vollkommen unabhängig von der GmbH der Profis. Bei uns trainieren rund 1.000 Nachwuchsbasketballer im Verein, weitere 3.000 in Kita, Grund- und Oberschule. Die Kooperationen mit den Schulen helfen uns, unsere Trainer zu finanzieren. Den Schulen in Berlin stehen Gelder zur Verfügung, um externe Angebote wie unseres zu nutzen. So können wir zum Beispiel Tom und Tomas 16 Stunden pro Woche hierher schicken und gleichzeitig das Trainer- vom Ehrenamt befreien. Mehr als die Hälfte unserer rund 100 Übungsleiter sind fest angestellt auf Minijob- oder Vollzeitbasis. Davon profitieren alle: Die Schulen können ihren  Sportunterricht aufwerten, wir haben professionelle Trainer, bewegen 4.000 Kinder mindestens einmal pro Woche und fördern den Basketballsport: Denn ein paar von den Kindern, die wir heute trainieren, werden irgendwann mal richtig gut sein.

PHILIPP HICKETHIER, 32, Projektmanager bei Alba Berlin

Ich lebe seit zwei Jahren in Berlin. Meine Frau und ich waren im Urlaub hier und dachten, ,hier möchten wir gerne eine Zeit leben‘. Wir hatten schließlich schon während des Jura-Studiums vier Jahre lang in Deutschland gewohnt und konnten die Sprache. Ich habe in Spanien als Prozessbevollmächtigter gearbeitet, meine Ausbildung wurde hier aber nicht anerkannt. Was also tun? Meine Frau hat dann in einem Magazin von einem Trainerkurs bei Alba gelesen. Da bin ich hin. Schließlich habe ich Jahre lang selbst Basketball gespielt, bei Salesianos Las Palmas auf Gran Canaria. Ich wusste so viel über den Sport, dass ich das Interview bei Alba erfolgreich absolviert habe – und seitdem bin ich Trainer. In Vollzeit und wir können hier davon leben. Das würde in Spanien nicht funktionieren, da würde ich für den gleichen Job vielleicht 120 Euro im Monat bekommen.

TOMAS DE PAIZ PÄTOW, 42, Trainer bei Alba Berlin

Hintergrund: So funktioniert "Alba macht Schule"

Der Verein Alba Berlin stellt für seine Nachwuchssportler hauptberufliche Trainer ein. Einen Teil ihrer Arbeitszeit verbringen sie im Verein, den anderen an Schulen in ganz Berlin. Ein Trainer mit einem Vertrag über 30 Arbeitsstunden zum Beispiel arbeitet 14 Stunden im Nachwuchsbereich und 16 Stunden an den Schulen im Unterricht oder in Basketball-AGs. In degewo-Quartieren unterstützen wir das Projekt – zum Beispiel mit Trikotsätzen für die Turniere.