Engagement

Spannend und modern - Das Konzept des Berliner Konzerthauses

Janine Grube

Klassische Orchestermusik als Erlebnis für alle Berliner? Sebastian Nordmann, Intendant des Konzerthauses Berlin, zeigt, wie das geht – mit guten Ideen.

Ab und zu muss Sebastian Nordmann raus. Ans Meer, in die Berge. „Ich bin ein Landei, ich komme von der Ostseeküste“, sagt er. Ein paar Tage später wird der Mann, 47 Jahre alt, in den Skiurlaub nach Bayern fahren. Eine kurze Erholung von seinem Job als Intendant des Berliner Konzerthauses.

Ich träume von einem Konzerthaus, in dem den ganzen Tag lang Konzerte stattfinden. Jedes mit Festivalcharakter.

- Sebastian Nordmann, Intendant Berliner Konzerthaus

Sein tagtäglicher Weg zur Arbeit führt also nicht raus, sondern mitten hinein ins Herz von Berlin. Das Konzerthaus residiert im ehemaligen Schauspielhaus auf dem Gendarmenmarkt. Ein Schinkel-Bau mit dicken Säulen und einer großen Freitreppe, links und rechts flankiert vom Französischen und Deutschen Dom. Innen versprüht es aber ganz und gar nicht den Geist des klassizistischen Berlins. Dort soll es, so Nordmanns Vision, sein, wie das Berlin von heute: vielfältig, bunt, attraktiv für alle Altersklassen, Geldbeutel und Kenntnisstände. Und digital! „Wer die Digitalisierung verpennt, hat kaum Chancen“, sagt Nordmann. In der Eingangshalle tauchen Besucher deshalb in eine virtuelle Ausstellung über das Konzerthaus ein. Kostenlos. „Wir wollen damit kein Geld verdienen, sondern Menschen an das Konzert heranführen.“ Aus dem gleichen Grund hat sein Haus auch etliche Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche im Programm, kooperiert mit Schulen, Kindergärten und oder organisiert mit degewo Kiezkonzerte.

Sebastian Nordmann ist das beste Beispiel dafür, was passieren kann, wenn man früh musikalisch geprägt wird. In seinem Elternhaus in Eutin wurde viel musiziert, er lernte Klavier spielen, studierte Musikwissenschaften und  promovierte in dem Fach. Er arbeitete bei Festivals, als Orchestermanager und Intendanzassistent. Dann wurde er selbst Intendant – zunächst bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, 2009 im Konzerthaus.

Die Konkurrenz in Berlin ist hart und vielfältig, das Publikum sucht stets das Beste und Neueste. Nordmanns Konzept, es zu erreichen: Formate wie „Mittendrin“, wo die Orchestermusiker zwischen den Zuschauern im Saal sitzen, oder die 45-minütigen „Espresso-Konzerte“ während der Mittagspause. 650 Veranstaltungen finden pro Jahr in den vier Sälen statt. „Ich träume von einem Konzerthaus, in dem den ganzen Tag lang Konzerte stattfinden. Jedes mit Festivalcharakter“, sagt er. Doch im Mittelpunkt stehe immer die Qualität. Denn eines ist ganz klar: „Unser Orchester ist der Motor unseres Hauses.“