Nachbarschaft

Auf gute Nachbarschaft: Zu Besuch beim Mitbegründer von nebenan.de

Janine Grube

Die Menschen, mit denen man Tür an Tür lebt, sind wichtig. Michael Vollmann weiß das besonders gut. Seine Stiftung lobt den Deutschen Nachbarschaftspreis aus.

Michael Vollmann weiß, was gute Nachbarschaft ausmacht. Der 36-jährige Berliner ist Mitbegründer von nebenan.de, mit über einer Million Mitgliedern das größte soziale Netzwerk für Nachbarn in Deutschland. Ob Babysitter, Bohrmaschine oder Kino-Begleitung, auf nebenan.de findet jeder, was er gerade braucht. „Wenn wir ehrlich sind, hat der Kontakt zu unseren Nachbarn oft einen egoistischen Grund“, sagt der gebürtige Franke mit offenem Lachen, während er durch das Großraumbüro seines Unternehmens in einer ehemaligen Fabrik in Kreuzberg führt. „Aber das ist total okay.“

 „Irgendwann dachte ich: Wenn ich wirklich etwas verändern will, dann muss ich direkt vor meiner Haustür damit anfangen.“

- Michael Vollmann

Vollmann selbst wuchs in einem kleinen Ort in Bayern auf, genoss die Vorteile einer aktiven Dorfgemeinschaft. Nach dem Studium der Kulturwirtschaft in Passau kam er nach Berlin, reiste für seinen Job bei dem global arbeitenden Sozialunternehmen Ashoka um die Welt. „Irgendwann dachte ich: Wenn ich wirklich etwas verändern will, dann muss ich direkt vor meiner Haustür damit anfangen.“ Während er beruflich zum Experten für gelebte Nachbarschaft wurde, musste er privat die wirklich wichtigen Werte für ein gutes Miteinander in der Großstadt lernen: „Einmal feierte die WG im Haus eine Party, und bei uns war gerade die Kleine frisch geboren“, erinnert er sich, grinst, fährt sich durch sein braunes Haar. „Klar war ich da sauer, aber dann habe ich mir gesagt: Michael, du warst doch auch mal jung.“

Hilfsbereit, tolerant, teamfähig sein: Nachbarschaft kann glücklich machen, davon ist der Vater von zwei Töchtern überzeugt. Zum dritten Mal lobt er als Geschäftsführer der zu nebenan.de gehörenden Stiftung den Deutschen Nachbarschaftspreis aus. Vom Stadtteilfest bis zum gemeinsamen Stadtgarten, jedes lokal wirkende Projekt kommt als Preisträger infrage. Bis zu 10.000 Euro winken den Gewinnern. Die Bewerbung lohne sich aber nicht nur deshalb, sagt Vollmann. „Es geht darum, Spaß zu haben, und das kann man zusammen einfach besser als allein.“

Der Nachbarschaftspreis

Der Deutsche Nachbarschaftspreis und der Preis Soziale Stadt wurden in diesem Jahr erstmals zusammen ausgeschrieben und auf einer gemeinsamen Preisverleihung in Berlin vergeben: Der Deutsche Nachbarschaftspreis verleiht auch in diesem Jahr verleiht den mit insgesamt über 50.000 Euro dotierten Preis an Nachbarschaftsprojekte mit Vorbildcharakter, die sich vielerorts für ihr lokales Umfeld einsetzen, das Miteinander stärken und das WIR gestalten.