Nachbarschaft

Die Netzwerkerin in Marienfelde

Steffi Hentschke . Artikel aus dem degewo-Magazin stadtleben 4/2019

Ingrid Fuchs beweist in Marienfelde, wie sich eine Grundschule auch mit wenig Mitteln erfolgreich entwickeln kann. Sie ist vernetzt mit zahlreichen Akteuren im degewo-Quartier. Wir wollten mehr erfahren und besuchten Sie in Ihrem neuen Schulgebäude. 

Ingrid Fuchs stellt sich ungern in den Vordergrund. „Schule lebt vom Engagement aller Beteiligten, das ist Teamarbeit“, sagt die Direktorin der Marienfelder Grundschule, während sie in ihr Büro bittet. Es riecht nach frisch gemahlenen Kaffeebohnen und warmer Milch. Fuchs hat sich kürzlich eine hochwertige Kaffeemaschine angeschafft. „Ich arbeite locker zehn Stunden pro Tag, dafür will ich mich wenigstens mit gutem Kaffee belohnen.“ Wie leitet man eine Grundschule, die mehr Schüler aufnehmen muss, als sie eigentlich kann – und dafür weniger Räume zur Verfügung hat, als sie eigentlich haben sollte? Als Fuchs, 62 Jahre alt, die rote Rahmenbrille in die blonden Haare gesteckt, vor fünf Jahren in Marienfelde ihre erste Stelle als Direktorin antrat, stand sie vor dieser Herausforderung.
Damals begannen die Bauarbeiten für zwei neue Schulgebäude, vor wenigen Monaten wurde ein Trakt fertiggestellt. 620 Schüler besuchen die Grundschule, die nur eine von zweien im Stadtteil ist. Hier eine Trennwand, dort ein neues Klassenzimmer. Wenn Fuchs von ihrer Arbeit erzählt, klingt es, als spräche eine Architektin. „Als ich angefangen habe, dachte ich, ich könnte mich auf die Schüler konzentrieren, aber Pustekuchen – das ist nur ein Teil meiner Aufgaben.“

Marienfelde ist ein so aktiver Stadtteil, hier gibt es so viele Netzwerke.

- Ingrid Fuchs, Direktorin der Marienfelder Grundschule

Ingrid Fuchs stammt aus dem Ruhrgebiet. Vor 32 Jahren kam sie nach Berlin. Nach dem Referendariat hatte sich die Deutsch- und Kunstlehrerin in mehreren Bundesländern beworben. Während sie auf eine Rückmeldung wartete, fuhr sie in den Urlaub nach Griechenland und verliebte sich – in einen Berliner. Als sie zurückkam, lag die Zusage für eine Stelle im Briefkasten – für Berlin. Nach Jahren an einer Hauptschule und der Frage, wie es sein kann, dass manche von ihren Schülern in der siebten Klasse schlecht lesen können, entschied sich Fuchs für einen Wechsel an die Grundschule. So kam sie nach Marienfelde. „Man denkt vielleicht, Randbezirk, viele Hochhäuser, wer weiß, was sich hier bewegen lässt“, sagt Fuchs. „Aber Marienfelde ist ein so aktiver Stadtteil, hier gibt es so viele Netzwerke.“

Vom Kinder- und Jugendtreff "haus of fun" nebenan bis zum Jugendamt – Fuchs schmiedet Bündnisse, um ihre Schule und ihre Schüler bestmöglich zu fördern. Über diese Netzwerkarbeit entstand auch die Kooperation mit degewo, die mit den Füchsen Berlin eine Handball-Grundschulliga anbietet. „Als Grundschule müssen wir viel mehr leisten, als den Kindern nur Lesen und Rechnen beizubringen“, sagt Fuchs und beginnt, Kompetenzen an einer Hand abzuzählen: „Höflichkeit, Respekt und vor allem Demokratiebildung.“ Neben Belohnungen für gutes Benehmen hat Fuchs bereits für die ersten Klassen Klassensprecher eingeführt, damit die Kinder früh lernen, Verantwortung zu übernehmen, und erfahren, welchen Wert Mitbestimmung hat. „Zu sehen, wie stolz es diese Kinder macht, wenn sie eine Medaille oder eine Zusage für eine von ihnen beantragte Idee bekommen, das motiviert mich“, sagt Fuchs. In drei Jahren geht sie in Pension, bis dahin hat sie noch viel vor. „Ich fände es schön, wenn wir die Eltern noch mehr mitnehmen könnten. Denn wie gesagt, Schule ist Teamarbeit.“