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Nachbarschaft | Porträt

Seit 80 Jahren zu Hause im Kiez

Rixdorf hieß erst 38 Jahre Neukölln, da erblickte Renate Babkuhl das Licht der Welt. Seit ihrer Geburt lebt sie in der Weserstraße in derselben Wohnung. Zusammen mit ihrem Mann Hans erzählt sie im degewo-Interview ihre einzigartige Geschichte.

Für Frau Babkuhl und ihren Mann ist 2020 ein aufregendes Jahr. Nicht nur die Corona-Krise hat ihren Alltag gehörig durcheinandergewirbelt – auch gibt es zwei Jubiläen, die in diesem Jahr gefeiert werden. Wir trafen die degewo-Mieter Renate und Hans Babkuhl in ihrem Mietergarten zum Gespräch.

Zu Hause in Neukölln: 80 Jahre in derselben Wohnung

Seit 1940 wohnt Renate Babkuhl in derselben Wohnung in Neukölln. In diesen achtzig Jahren ist so viel passiert, dass sie darüber Bücher schreiben könnte. Von den schlimmsten Kriegstagen bis zu den schönsten Erinnerungen an Familienfeiern und Hochzeitstage – die Geschichten sprudeln nur so aus ihr heraus.

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Ausgebombt: 1943 zog Renate vorübergehend zu ihren Großeltern, ein paar Häuser weiter.

Ein gemeinsames Nest: 60 Jahre verheiratet

1960 heiratete Reni, wie ihr Mann sie liebevoll nennt, Hans Babkuhl. Er zieht zu ihr in die Weserstraße, zeitweise leben drei Generationen in der Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung: Großmutter, Mutter und das frisch gebackene Ehepaar. Im degewo-Interview berichten beide von dieser nicht immer einfachen Zeit:

Eingemauert: Wie die Babkuhls die deutsche Teilung erlebten

In den Tagen des Mauerbaus rollten Panzer durch die sonst so ruhige Weserstraße, dass die Tassen in den Schränken klirren. West-Berlin wird abgeriegelt, die Stadt zu einer Insel inmitten der DDR. Während man in Charlottenburg von der Mauer im Alltag nicht viel sieht, gehört sie in Neukölln zum täglichen Anblick. Renate Babkuhl erinnert sich, wie ungern sie die Transitstrecke nach Westdeutschland nahm. An das Gefühl, eingemauert zu sein, denkt sie noch heute mit Schrecken. Umso größer war für das Paar die Erleichterung, als die Mauer 1989 endlich fiel.

Nach der Wende: Endlich reisen

Im ganzen Land uneingeschränkt unterwegs sein: Für die Babkuhls war die neu gewonnene Freiheit ein Segen. Sie erkunden auf Flussfahrten und Wanderungen das vereinigte Deutschland. Auch international kommen beide viel rum, die Zeit im Ruhestand verbringen sie in Ägypten, Italien, den USA. Andenken von diesen Reisen zieren ihre Wohnung.

Ein Kleinod inmitten der Stadt: der Mietergarten

Renate (Jahrgang 1940) und Hans (Jahrgang 1936) Babkuhl sind heute nicht mehr ganz so viel auf Achse wie früher, aber immer noch auf Trab. In ihrem liebevoll gepflegten Mietergarten hinter ihrem Wohnhaus verbringen beide bei gutem Wetter gerne Zeit. Blumen sind ihr Hobby, Frau Babkuhl hegt nicht nur die im Garten, sondern auch ihre Orchideen im zum Wintergarten umfunktionierten Balkon. Herr Babkuhl ist leidenschaftlicher Fotograf und setzt die Pflanzen stilvoll in Szene.

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Die Nachbarschaft ist durch Corona neu aufgeblüht

Die Veränderungen im Kiez stoßen bei den Babkuhls nicht auf Gegenliebe. Die Weserstraße ist eine der geschäftigsten Gegenden in Neukölln. Bars, Kneipen und Restaurants drängen sich dicht an dicht, es ist oft laut. Sie schätzen jedoch die gute Nachbarschaft im Haus. Die jüngeren Mieterinnen und Mieter kümmern sich um Einkäufe und Besorgungen für das betagte Ehepaar, tragen auch mal schwere Dinge hoch. Die Hilfsbereitschaft im Haus sei groß. Beste Voraussetzung, um dort auch im Alter gut zu leben und sich wohl zu fühlen.