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Street-Art in Berlin: Kein Bild für die Ewigkeit

Berlin ist für vieles in der Welt bekannt: Berliner Mauer, Currywurst und Döner, Berghain. Aber ganz oben auf der Liste steht Street-Art! Emotional, politisch und selten für die Ewigkeit. degewo zeigt Ihnen die spannendsten Kunstwerke der Stadt und erzählt ihre Geschichte(n).

Mit Streetart oder Street-Art, wie es der Duden empfiehlt, sind vor allem Gemälde, Zeichnungen und Collagen im öffentlichen Raum gemeint. Der Bildanteil der Kunstwerke ist dabei größer als der Textanteil, sonst hätten wir es mit einem Graffiti zu tun. Viele fassadenfüllenden Street-Art-Gemälde sind auch nicht einfach wild an die Wand gepinselt, sondern Auftragsarbeiten der Hauseigentümer.

Woher kommt die Kunst an den Wänden?

Als Kunstform und Bewegung gehen die Wandgemälde auf den sogenannten Muralismo zurück, der in Mexiko nach der Revolution in den 1920ern populär wurde.  In den 1970er-Jahren tauchten Street-Art-Gemälde in Metropolen wie Paris und New York auf und verbreiteten sich auf der ganzen Welt. Auch Berlin gilt inzwischen als eine der beliebtesten Street-Art-Städte – so beliebt, dass internationale Kunstsammler mehrere tausend Euro für Street-Art von hier ausgeben. Und mit dem Berlin Mural Fest gibt es eine jährliche Veranstaltung ganz im Zeichen der Wandgemälde.

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Street-Art auf 120 Metern Höhe auf dem Teufelsberg.
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Rund um die ehemalige Abhörstation der US-Armee gibt es heute viel zu sehen.

Ehemalige Teile der Mauer als Plattform für Street-Art

Kunst im öffentlichen Raum ist häufig dem Wetter und auch anderen Menschen mit Stiften ausgesetzt, die die Bilder erweitern oder übermalen. Damit ist Street-Art ständig in Bewegung und kann morgen schon komplett anders aussehen. Auch bekannte Gemälde verändern sich so mit der Zeit. So zum Beispiel das berühmte Bild „Bruderkuss“, das an der East Side Gallery die Geste zwischen Breschnew und Honecker zum 30. Jahrestag der DDR zeigt.

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Das „Bruderkuss“-Wandbild des russischen Malers Dmitri Wladimirowitsch Wrubel in seinem heutigen Zustand …
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… und vor der Restaurierung.

Street-Art ist voller Gefühle: Politisch und emotional

Der bekannte (und anonyme) Berliner Künstler Alias beschäftigt sich in seinen Arbeiten eher mit dem Individuum und alltäglichen Problemen, die jeder und jede von uns kennt. Hier geht es nicht um die große Show, sondern um emotionale Momente des Einzelnen. Er arbeitet häufig mit großen Plakaten, aus denen er die Umrisse des Kunstwerks ausschneidet, und klebt sie an Wände.

Thematisch setze ich mich viel mit persönlichen Krisen auseinander, Zustände der Verletzlichkeit, der Einsamkeit und des Scheiterns

- Alias, Künstler
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Es geht auch andersherum, ein Kunstwerk von Alias auf altem Graffiti in Berlin.

Heute bunt, morgen schwarz: Street-Art als Statement

Zwei der bekanntesten Street-Art-Kunstwerke Berlins gibt es nicht mehr, der Künstler selbst hat sie übermalt. Die Fassadenbilder, die bis 2014 an zwei Brandmauern in der Cuvrystraße zu sehen waren, stammten vom italienischen Street-Art Künstler Blu.

Blu tritt selbst nur über seine Kunst mit der Öffentlichkeit in Verbindung, allerdings erkennt man bei Betrachtung seiner Arbeiten häufig gesellschaftskritische Botschaften. Vor allem das Bild der zwei maskierten Figuren, welches zusammen mit dem französischen Street-Art Künstler JR entstand, ging um die Welt. Die Figuren, eine steht Kopf, demaskieren sich mit der einen Hand und formen mit der jeweils anderen die Buchstaben E (East) und W (West).

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Nachdem die Augen durch die Witterung kaum mehr zu erkennen waren ...
© Credits: Frank M. Rafik from Berlin, stateless person, CC BY-SA 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0, via Wikimedia Commons
... bekamen die zwei Maskierten durch Künstler JR Taucherbrillen aufgesetzt.

Jetzt wo Ihnen bewusst ist, dass die Kunst von heute morgen vielleicht gar nicht mehr da ist: Rauf aufs Fahrrad, rein in die Bahn, raus auf die Straße! Wenn Sie lokale Street-Art erleben wollen, haben wir noch einen Tipp für Sie in Gropiusstadt:

Street-Art zum Selbermachen am Wutzky

Am 2. November wird es bunt am Wutzky in Gropiusstadt. Berliner Schülerinnen und Schüler der Hermann-von-Helmholtz-Schule im Alter von 10 bis 16 Jahren gestalten die Wände des Rotraut-Richter-Platzes 1 mit floralen Motiven. Dabei werden sie von Street-Art-Künstlerinnen und -Künstlern aus dem Bezirk professionell unterstützt.

Die andere Art von Street-Art: Korkmännchen, Klebeband und Co.

Es muss nicht immer gemalt oder gesprüht sein: Street-Art zeigt sich in Berlin auch von einer ganz anderen Seite – beziehungsweise von vielen anderen Seiten. Vielleicht haben Sie schon einmal die kleinen Korkmännchen auf Straßenschildern klettern, sitzen oder tanzen gesehen. Seit 2009 tauchen die lustigen Gesellen aus Flaschenkorken und Schaschlikspießen in der ganzen Stadt auf, wie beispielsweise hier in Wilmersdorf:

© Credits: Fridolin freudenfett, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons
Schauen Sie beim nächsten Gang zum Einkauf mal auf die Straßenschilder. Vielleicht entdecken Sie eins der Korkmännchen.

Doch auch mit Klebeband kann man Kunst machen, wie die sogenannte „Tape Art“ zeigt. Ob mit Gaffa, Paketklebeband oder kleinen bunten Kleberollen, Tape Artists holen alles aus dem Material heraus:

Eine weitere Form von Street-Art, die man in Berlin antrifft, ist das Guerilla Knitting oder Urban Knitting. Dabei werden Laternenmasten, Bäume, Straßenpfosten oder Geländer umstrickt. Wie Sie sehen – es gibt viel zu sehen. Viel Spaß beim Entdecken!