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Stadtentwicklung

Baudenkmal Krugpfuhlsiedlung: Schnittstelle von Tradition und Moderne

Die Krugpfuhlsiedling in Britz ist nicht nur eine der ersten neuen Siedlungen Berlins nach dem ersten Weltkrieg, sondern auch die Wiege der degewo. Die „kleine Schwester“ der Hufeisensiedlung, die sich genau gegenüber befindet, hat spannende Geschichten zu erzählen.

Als „Großsiedlung Britz“ prägen Krugpfuhlsiedlung und Hufeisensiedlung das Stadtbild im Süden Neuköllns. Wo Anfang der 1920er Jahre noch der Wind über karge Flächen fegte, sollten schon bald zwei Siedlungen entstehen, die trotz vieler Parallelen unterschiedlicher nicht sein könnten.

Krugpfuhlsiedlung und Hufeisensiedlung: Tradition und Moderne prallen aufeinander

Beide Siedlungen entstanden zur gleichen Zeit, 1925 – und beide haben eine zentrale Teichanlage. Der Krugpfuhl, von den Bewohnern auch liebevoll „Eierteich“ genannt, bildet die Mitte der Siedlung, und auch inmitten der Hufeisensiedlung befindet sich ein während der letzten Eiszeit entstandener Tümpel.

Doch dort enden die Gemeinsamkeiten der beiden Siedlungsteile schon. Während die Hufeisensiedlung der Architekten Taut und Wagner als Musterbeispiel der Berliner Moderne gilt, wurde die Krugpfuhlsiedlung durch die Architekten Engelmann und Fangmeyer in einer traditionalistischen Bauweise errichtet. Als hätten die Architekten den Streit zwischen Tradition und Moderne persönlich ausgetragen, erstreckt sich westlich der Fritz-Reuter-Allee die „Rote Front“ der Hufeisensiedlung, östlich davon befinden sich die traditionellen und romantisierenden Häuser der Krugpfuhlsiedlung.

Heute
Damals

Wohnungen für Berlin: die Krugpfuhlsiedlung als städtebaulicher Neuanfang

Nach dem Ende des ersten Weltkrieges brauchte Berlin dringend Wohnungen. 17 Großsiedlungen wurden im Großraum Berlin geplant, Britz war eine davon. Als die Krugpfuhlsiedlung zwischen 1925 und 1927 errichtet wurde, wollten ihre Architekten sie harmonisch ins Stadtbild aufnehmen. So entstand ein Mix aus traditionellen zweigeschossige Einfamilienhäusern, die von dreistöckigen Mehrfamilienhäusern von den Straßen abgegrenzt werden – insgesamt 892 Wohnungen und gut ein Dutzend Läden. Ganz im Sinne der damals aufgekommenen Gartenstadt-Idee ist die Siedlung mit öffentlichen Grünanlagen, Spielplätzen und Promenadenwegen durchzogen.

Ein architekturhistorisches Zeugnis der 1920er Jahre

Auch an der Krugpfuhlsiedlung ging der zweite Weltkrieg nicht spurlos vorbei, im nördlichen und südlichen Bereich zerstörten Bomben die Gebäude. Nach 1949 wurden diese in veränderter Form und Konstruktion wieder aufgebaut, der geschlossene Charakter der Siedlung wurde jedoch erhalten. Damit das so bleibt, wurde die Krugpfuhlsiedlung als „herausragendes historisches Zeugnis der städtebaulichen und gesellschaftlichen Entwicklung der 1920er Jahre“ (PDF des Bezirksamts Neukölln) unter Denkmalschutz gestellt.

Moderne Ausstattung und historische Fassade

Denkmalschutz heißt alles andere als Stillstand. Innen wurden die Wohnungen der Krugpfuhlsiedlung modernisiert, um sie an heutige Wohnstandards anzupassen. Doch die Veränderungen werden behutsam vorgenommen. Größere bauliche Veränderungen wie sie teilweise nach dem Krieg vorgenommen wurden, sind ein Tabu. Auch Detailfragen wie Farbgebung oder Materialwahl, werden mit dem Denkmalamt abgesprochen. So soll möglichst viel vom ursprünglichen Charakter der Siedlung erhalten bleiben. Damit die Krugpfuhlsiedlung auch für kommende Generationen so erlebbar ist, wie sie einmal geplant war.