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Stadtentwicklung | Familie

Das neue Quartier am alten Postscheckamt

Er ist schon von weithin sichtbar, der Turm, den viele Berlinerinnen und Berliner noch als „Postbank-Tower“ kennen. Bis 2024 entsteht rund um das Hochhaus am Halleschen Ufer ein neues Quartier mit Wohnungen und Arbeitsplätzen. degewo baut kräftig mit und stellt sicher, dass auch in bester Innenstadtlage bezahlbarer Wohnraum entsteht.

Wie das neue Areal am Halleschen Ufer einmal aussehen würde, darum ging es lange hin und her. Doch nun herrscht Einigkeit: Mit dem Spatenstich am 18. März 2021 begann der Bau eines klimaverträglichen Quartiers mit Wohnungen, Gewerbe und Büros namens „Die Macherei Berlin-Kreuzberg“. degewo baut mit und errichtet 340 neue Wohnungen – zwei Drittel davon gefördert, also zu einer sozialverträglichen Miete von 6,50 Euro pro Quadratmeter.

Bezahlbares Wohnen in Innenstadtlage

Während zur Straßenseite am Landwehrkanal hin der private Bauherr Art-Invest Real Estate den ehemaligen Postbank-Turm umgestaltet und drei Neubauten errichtet, baut degewo auf der nördlichen Grundstücksfläche – abgeschirmt vom Verkehrslärm – sechs Wohnhäuser. Dort wird Platz für Menschen mit verschiedensten Lebensentwürfen sein, denn die Zuschnitte reichen von Single-Wohnungen bis hin zu großen, familientauglichen Wohnungen. Was so einfach klingt, ist Ergebnis sehr komplexer Planung, wie Architekt Kerk-Oliver Dahm weiß. Sein Büro setzt zusammen mit der Schrobsdorff Bau AG das degewo-Projekt um: „In unserem Entwurf sind 102 Ein-Raum-, 102 Zwei-Raum- und 68 Drei-Raum-Wohnungen geplant. Außerdem 51 Vier-Raum- und 17 Fünf-Raum-Wohnungen. Es war eine sehr komplexe Aufgabe, das Raumprogramm in diesen Baukörpern unterzubringen. Nicht zu unterschätzen war dabei auch die Berücksichtigung der Tageslichtverhältnisse in den Wohnungen. Dazu haben wir umfangreiche Studien gemacht und in die Planung mit einfließen lassen.“

Das Bild zeigt eine am Computer simulierte Ansicht der künftigen Wohnhäuser im Quartier „Die Macherei Berlin-Kreuzberg“. © Credits: Art-Invest Real Estate
Eine am Computer simulierte Ansicht der künftigen Wohnhäuser im Quartier „Die Macherei Berlin-Kreuzberg“: degewo sorgt hier für modernen, bezahlbaren Wohnraum mitten in der Stadt und stärkt die Infrastruktur mit einer Kita.

Wohnungen, Supermarkt, Kita, Spielplatz: An alles gedacht

Über die genaue Nutzung des Areals wurde lange gestritten, vor allem was die Anzahl der kostengünstigen Wohnungen angeht. Nun entsteht im nördlichen Grundstücksbereich mehr sozialer Wohnungsbau durch degewo als ursprünglich geplant. Bei der angespannten Wohnungsmarktlage in Berlin ergibt das Sinn. Doch nicht nur Wohnungen werden von degewo im Macherei-Quartier gebaut, es entsteht auch Gewerbefläche sowie eine Kita mit 50 Plätzen. Außerdem wird es dort öffentliche Spielflächen geben. Sogar der städtische Fußballplatz am Quartier wird von degewo saniert. Das ehemalige Postbank-Gebäude bildet das Zentrum des Quartiers, weithin sichtbar ragt er empor.

Die Computersimulation zeigt das neue Quartier „Die Macherei Berlin-Kreuzberg“, in der Mitte der ehemalige Postbank-Turm mit neuer Fassade, links und rechts insgesamt drei Neubauten des Kölner Unternehmens Art-Invest Real Estate. Dahinter stehen sechs Wohngebäude von degewo mit weißen Fassaden. © Credits: Art-Invest Real Estate
„Die Macherei Berlin-Kreuzberg“: Die Computersimulation zeigt, wie das neue, quirlige Quartier im Jahr 2024 aussehen soll.

Das Quartier „Die Macherei Berlin-Kreuzberg“

Unter dem Namen „Die Macherei Berlin-Kreuzberg“ entwickelt das Kölner Unternehmen Art-Invest Real Estate das Areal südlich der degewo-Neubauten weiter. Drei Neubauten entstehen um den ehemaligen Postbank-Turm herum: das „Holz-Carré M40“ mit Gastronomie, Event und Geschäften, das Bürogebäude „ZeroCO2-Haus“ und das Wohnhaus „UrbanLiving“. Das Hochhaus im Zentrum bleibt erhalten, wird jedoch bis auf das Stahlbetonskelett abgetragen. Danach bekommt es eine neue Fassade und wird klimaverträglich saniert. Künftig wird es weiter als Bürogebäude genutzt, jedoch mit einigen Besonderheiten: So wird nicht nur eine öffentlich zugängliche Rooftop-Bar einziehen, sondern auch ein Nachbarschaftscafé im Erdgeschoss.

Das Foto zeigt das ehemaligen Postbank-Hochhaus am Halleschen Ufer in Berlin, ein 89 Meter hohes Bürogebäude mit dunkler Aluminium-Glas-Fassade, zwei rot-weißen Sendemasten auf dem Dach und dem Postbank-Logo an Außenwand der obersten Etage. Vor dem Turm schmiegt sich die U-Bahn-Hochtrasse an den Verlauf des Landwehrkanals. © Credits: Georg Slickers, CC BY-SA 2.5 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5>, via Wikimedia Commons
So dürfte er vielen noch in Erinnerung sein, als „Postbank-Hochhaus“: der Büroriese am Halleschen Ufer.

Internationaler Stil, geplant von einem Postmitarbeiter

Nicht etwa ein Architekt hat das markante Hochhaus entworfen, sondern ein Postmitarbeiter. Zugegeben, nicht irgendeiner, sondern Oberpostdirektor Prosper Lemoine. Er suchte die Nähe zu den „International Style“-Hochhäusern in den USA und schaute sich einiges beim berühmten Seagram Building von Mies van der Rohe ab. Zwar macht das Berliner Hochhaus dem New Yorker Wolkenkratzer in puncto Höhe keine Konkurrenz (mit 89 Metern ist er gerade einmal halb so hoch), und auch über die Anmut des Kreuzberger Pendants lässt sich streiten. Aber das Gebäude, das ursprünglich einmal Postscheckamt hieß, hat die Zeiten überdauert und wird bis 2024 einem umfassenden Facelifting unterzogen.

Geschichte des Postscheckamtes Berlin-West

In Zeiten von Online-Banking ist es undenkbar geworden, dass vor gar nicht allzu langer Zeit riesige Gebäude für die Abwicklung von Geldgeschäften benötigt wurden. Das alte Postscheckamt (erbaut 1965-71) am Landwehrkanal war ein solches Gebäude. Hier wurden die Finanztranskationen der Vorläuferin der Postbank bearbeitet. Dabei fiel lange Zeit viel Papier an (das Wort „Postscheck“ deutet es an), selbst als 1972 das elektronische Buchungsverfahren eingeführt wurde. Kein Wunder also, dass eine Menge Platz benötigt wurde: 30.000 Quadratmeter Bürofläche hat das Gebäude auf 23 Etagen. Der Neubau im Berliner Westen wurde nötig, weil das vormals gemeinsame Berliner Postscheckamt nach der Teilung im Osten der Stadt lag. Was die wenigsten wissen: Vom Dach des Postbank-Hochhauses wurde bis 2016 Radio übertragen. So gelangten aus Kreuzberg unter anderem der Sender 88vier (heute: 91.0 Alex Offener Kanal Berlin) und Radio Russkij Berlin in den Äther.

Fertigstellung der degewo-Neubauten bis 2024

Bis zum Sommer 2024 sollen alle Mieterinnen und Mieter in den neuen degewo-Wohnungen eingezogen sein. „Aber es wird eine gestaffelte Übergabe werden, weil die Baufelder ja sukzessive fertig werden“, gibt Bettina Schenk vom Generalübernehmer Schrobsdorff Bau AG zu bedenken. Das Quartier wird sich also schnell mit Leben füllen.