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Dem Weltraum ganz nah: Allee der Kosmonauten

Kennen Sie schon die Geschichte und Sehenswürdigkeiten der Allee der Kosmonauten? Wieso sich ein Spaziergang durch diese Straße in Berlin definitiv lohnt und warum hier selbst ein Regentag toll werden kann? Laufen Sie doch einfach mal mit.

Wer als Berlinerin oder Berliner die Reiseführer-Sehenswürdigkeiten längst kennt, sollte die Stadt durch ihre Straßen neu entdecken. Wo in der kürzesten Straße nach 16 Metern schon Schluss ist (Eiergasse im Nikolaiviertel), kann die Allee der Kosmonauten ein paar Kilometer drauflegen – und zwar genau 5,4. Wir starten zu einem kleinen Spaziergang durch eins der größten degewo-Quartiere.

© Credits: Bundesarchiv, Bild 183-T0905-107 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en>, via Wikimedia Commons
Prominente Gäste: In diesem Outfit waren die beiden zwar nicht angereist, als die Allee der Kosmonauten eröffnet wurde, aber sie kamen. Zu Ehren der Kosmonauten Sigmund Jähn und Waleri Bykowski erhielt die ehemalige Springpfuhlstraße 1978 ihren heutigen Namen.

Vom Weltall bis nach Marzahn: Kirche, Kunst und Kosmonauten

Im Osten wusste es jedes Kind: 1978 flog Sigmund Jähn gemeinsam mit dem sowjetischen Fliegerkosmonauten Waleri Bykowski ins All. Jähn wurde mit diesem Ausflug zum ersten Deutschen im Weltraum. Anlässlich dieses Raumflugs zur Raumstation Saljut 6 erhielt die ehemalige Springpfuhlstraße ihren neuen Namen: Allee der Kosmonauten. (Die Abkürzung AdK haben wir zwar noch nie ausgesprochen gehört, aber sie sieht ganz hübsch aus.) Ein Großteil der Straße befindet sich tief im Osten der Hauptstadt, im Ortsteil Marzahn. Hier schlängeln sich 4,5 km der Allee an vielen sehenswerten Orten vorbei. Die restlichen Meter verläuft die Straße durch Berlin-Lichtenberg. Doch bevor es so weit war, musste die Straße erst einmal gebaut werden. Ein Blick vom Hochhaus an der AdK Ecke Poelchaustraße Richtung Osten zeigt, wie es damals zuging:

© Credits: CC-BY-NC-SA @ Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf
Das geschulte Auge erkennt links das Siedlungsgebiet Marzahn. In der Mitte befindet sich die Straßenbahntrasse und -schleife an der gerade entstehenden Allee der Kosmonauten. Hinten rechts: das Siedlungsgebiet Biesdorf-Nord.

Kunst und Sehenswürdigkeiten entlang der Allee der Kosmonauten

Doch zurück in die Gegenwart. Wir beginnen unseren Ausflug vor dem Haus Nummer 58, wo die Bildhauerin Emerita Pansowová mit ihrem Tröpfelbrunnen „Stillleben Gedeckter Tisch“ Kunst und Brunnen vereint hat. Wie es der Name schon verrät, findet sich hier ein mit Getränken und Speisen befüllter Tisch. Da der etwa 160 cm hohe Brunnen aus formstabiler Bronze besteht, kann leider nichts zur Stärkung davon mitgenommen werden.

© Credits: Auto1234, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons
Zwar kann man vom gedeckten Tisch nicht essen, aber Wasser ist für alle da.

Hier werden Rekorde gebrochen: Streetart in Marzahn

Sollten Sie keine Brote eingepackt haben, geht es also ohne Essen weiter zur Hausnummer 145, denn dort wurde ein Rekord aufgestellt. Hier durften sich die französischen Streetart-Künstler von CitéCréation ausleben. Das eher gewöhnliche Hochhaus wurde 2012 komplett umgestaltet und die Fassade hat sich drastisch verändert. Hier ist aus vielen bunten Farben das aktuell höchste Fassadenkunstwerk Europas entstanden – der FlowerTower.

Russisch-orthodox in Marzahn: Dächer aus Gold

An den Hausnummern 184 -188 angekommen, glitzert einem schon das goldene Dach der Kirche entgegen. Pfarrer Petr Pacholkov freut sich über alle interessierten Besucherinnen und Besucher in einer der wenigen russisch-orthodoxen Kirchen Berlins. Sollten Sie zum Gottesdienst in die kleine Kirche wollen, wundern Sie sich nicht, dass Sie wahrscheinlich nicht viel verstehen werden. Die Zeremonie wird in altslawischer Sprache abgehalten. Die wunderschönen Ikonen können Sie trotzdem bewundern.

© Credits: Singlespeedfahrer, CC0, via Wikimedia Commons
Die schönsten Dachziegel der Straße befinden sich wohl auf der russisch-orthodoxen Kirche Marzahn.

Drei nackte Schönheiten, die wie Steine schlafen

Wer nach dem Fußmarsch eine kurze Pause einlegen möchte, sollte es den drei sitzenden Frauen gleichtun, die auf Höhe der Hausnummer 194 zu finden sind. Die Damen der Sandsteinskulptur von Bildhauer Manfred Hübner sind ein beliebtes Fotomotiv. Laut Kunsthistorikern kann die Skulptur als Anspielung auf das Motiv der „Drei Grazien“ oder auf das „Parisurteil“ verstanden werden. Dabei handelt es sich um eine berühmte Episode aus der griechischen Mythologie: Der Jüngling Paris musste ein Urteil fällen, welche der Göttinnen die schönste ist: Athene, Hera oder Aphrodite. Will man bei diesem Bild bleiben, nimmt der Betrachter der Skulptur „Drei sitzende Frauen“ diese Rolle ein. Und wen finden Sie am schönsten?

Die Allee der Kosmonauten kommt nach Hause

Sollte das Wetter für einen Spaziergang auf der AdK nicht mitspielen, können Sie die drei Damen getrost im Regen sitzen lassen. Für alle verregneten Sonntage empfehlen wir eine Entdeckungsreise bequem vom Sofa aus: