Stadtentwicklung

Lust auf Grün: Die Ringelnatz-Siedlung

In Marzahn-Biesdorf baut degewo 299 Mietwohnungen und erweitert damit ein Quartier, das ein wahres Kind der 1990er-Jahre ist: die Ringelnatz-Siedlung.

Im Süden blickt man aus Hochhäusern im Plattenbaustil auf die Siedlung. Von dort sieht man, dass sie im Westen an Straßen mit Einfamilienhäusern grenzt. Im Osten tupfen die Lauben der Kleingartenkolonie das Grün, im Nordosten erkennt man die Umrisse der Gärten der Welt, im Norden erhebt sich der Kienberg. Die Joachim-Ringelnatz-Siedlung in Marzahn-Biesdorf ist in jeder Hinsicht ein Bindeglied – zwischen Stadt und Natur, zwischen Gartengemütlichkeit und Balkonchic. Und bald auch zwischen den 1990er-Jahren und heute.

DAMALS ...

Berlin, 1993. Drei Jahre nach der Wiedervereinigung wird der Grundstein gelegt für das größte Bauprojekt in  Marzahn seit der Wende. Die WGB Marzahn (später degewo) beauftragt die Architekten Frank Dörken und Volker Heise, zwischen Hans-Fallada- und Joachim-Ringelnatz-Straße eine neue Wohnanlage zu bauen. Ihr Plan für das mehr als fünf Hektar große Gelände: Zwei- und dreigeschossige Stadthäuser gruppieren sich in acht U-Formen um begrünte Innenhöfe. Westlich der Hans-Fallada-Straße zieren Hausgärten 14 Stadtvillen. Markantestes Merkmal der Gebäude: blaugraue Tonnendächer, die sich in den Himmel wölben. 1995 ziehen die ersten Mieter in die 396 Wohnungen mit eineinhalb bis fünf Zimmern und kurzen Wegen in die Natur. Bis zum Wuhletal ist es nicht weit, das spiegelt sich auch in der Gestaltung der Innenhöfe und Gemeinschaftsgärten. In Nord-Süd-Richtung zieht sich ein kleiner Wasserlauf durch das Gelände. Birken, Ahorne, Kastanien und Eschen spenden im Sommer Schatten. Kinder toben auf Bolz- und Spielplätzen.

... WIE HEUTE

Berlin, im Jahr 2018. Der Blick auf die Ringelnatz-Siedlung hat sich verändert. An der Cecilienstraße wachsen seit Anfang 2017 Stockwerk für Stockwerk sieben Mehrfamilienhäuser in die Höhe. Ihre zukünftige Adresse: Joachim-Ringelnatz-Straße 2 - 4. Die vier- bis sechsgeschossigen Gebäude waren das erste Marzahner Bauvorhaben von degewo in der aktuellen Neubauoffensive. Es ist dringend nötig: „Die Einwohnerzahl im Bezirk steigt seit mehreren Jahren deutlich an“, erklärte Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle bei der Grundsteinlegung. Das Grundstück befand sich bereits seit Jahrzehnten als Baulandreserve im Besitz von degewo.

Diese Fläche wird der Nachfrage entsprechend baulich stärker verdichtet als die nördliche Parzelle vor 20 Jahren. Die 299 Wohnungen entstehen auf einer Fläche von knapp zwei Hektar, sind ein bis vier Zimmer und 34 bis 97 Quadratmeter groß. Entworfen hat sie das Berliner Architektur-Büro „DAHM“. Alle Wohnungen haben einen Balkon und sind weitgehend barrierefrei. Dazu gibt es 108 Autoparkplätze und 520 Stellplätze für Fahrräder.

Die Innenhöfe werden begrünt und durch eine zentrale Mittelachse mit dem Altbauquartier verbunden. Doch wer von oben auf die Gebäude schauen kann, wird einen Unterschied zwischen den beiden Quartieren erkennen: Die neuen Gebäude tragen Flachdach. Die blaugrauen Tonnendächer, die die Form des Kienbergs nachahmen, waren eine Mode der Neunziger.