Stadtentwicklung

Schlafendes Friedenau: Ein Kiezspaziergang mit degewo-Mitarbeiterin Sabrina

In einer turbulenten Stadt wie Berlin kehrt selten Ruhe ein. Umso erstaunlicher war es, auf dem bisherigen Höhepunkt der #wirbleibenzuhause-Bewegung durch die verwaisten Straßen zu laufen. Unsere Kollegin Sabrina machte einen Rundgang durchs „schlafende“ Friedenau – und hat dabei die Villenkolonie für sich neu entdeckt. 

Den gesamten Routenplan können Sie sich direkt auf GoolgeMaps ansehen.

Sabrina arbeitet in der Unternehmenskommunikation von degewo. Auf ihrem Rundgang durch das schlafende Friedenau im April begeisterten sie nicht nur die Straßenzüge in Frühlingsblüte, sondern auch die vielen Erinnerungen, die sie mit den Orten verbindet. Dass es in Friedenau so friedlich wirkt, könnte auch mit dem Namen des Ortsteils zu tun haben. Er wurde 1871 anlässlich des Frankfurter Friedens gewählt, der den Deutsch-Französischen Krieg beendete. Sie können Sabrinas Spaziergang folgen und Friedenau entdecken. Aber lassen wir sie selbst erzählen:

Ein Kiezspaziergang durch mein Friedenau 

Ich wohne ganz in der Nähe von Berlins erstem Hochhaus am Innsbrucker Platz 4, das degewo gehört. In dieser Gegend bin ich aufgewachsen und zur Schule gegangen. Die alte Villenkolonie Friedenau war nicht nur zur Jahrhundertwende beliebt, als sie viele Künstler und bekannte Stadtpersönlichkeiten anzog, sondern hat bis heute nichts an Attraktivität eingebüßt. Kleine Straßen, gut erhaltene Landvillen mit Vorgärten, wunderschöne Altbauten.

© Credit: Cathrin Bach
Der Friedrich-Wilhelm-Platz in Friedenau

Während der Corona-Krise haben die Straßenzüge ihren ganz eigenen Charme

Es gab für mich nie wirklich einen Grund, in ein anderes Viertel zu ziehen. Nun, zur Corona-Krise, haben die Straßenzüge ihren ganz eigenen Charme, wie auf den Fotos gut zu erkennen ist. 
Mein Abitur habe ich am Rheingau-Gymnasium gemacht. Und dort führt uns heute auch unser Stadtspaziergang hin. Wir starten in den Ceciliengärten – hier blühen im April wunderschön die Kirschblüten – und laufen meinen Schulweg von vor 30 Jahren nach.

Rund um das Rathaus Friedenau treffen sich Land und Leute

Wir bewegen uns durch die Ceciliengärten in südlicher Richtung und laufen dabei auch an einigen degewo-Häusern vorbei: Die Hausnummern 40-53 befinden sich in unserem Bestand. Danach biegen wir in westlicher Richtung in die Semperstraße / Hedwigstraße ein.

© Credit: Cathrin Bach
© Credit: Cathrin Bach
© Credit: Cathrin Bach
© Credit: Cathrin Bach

Dann kreuzen wir die Rheinstraße (rechter Hand Breslauer Platz und Rathaus Friedenau). Das Rathaus wurde 1913 erbaut, ist gerade eingerüstet und daher nicht besonders ansehnlich, aber hier finden Sie schöne historische und zeitgenössische Aufnahmen. Seit Februar 2016 dient das Rathaus Geflüchteten als Notunterkunft, früher war hier die Stadtbibliothek, in der ich als Kind meine ersten Bücher ausgeliehen habe. Der Breslauer Platz davor ist besonders am Samstag Anziehungspunkt für Besucher des Wochenmarktes. Hier gab es beim Einkauf mit meiner Mutter für mich als Kind immer ein Würstchen, das ich nur gegessen habe, weil ich noch viel lieber die Bonbons, die es dazu gab, haben wollte.

© Credit: Cathrin Bach

Die Mutter des Berliner Bären: Renée Sintenis

Über die Schmargendorfer Straße in westlicher Richtung kommen wir auf den Renée-Sintenis-Platz zu. Der Platz ist Eckpunkt einer sogenannten Carstenn-Figur, wovon es nur drei weitere in Berlin gibt. Alle eint, dass sie eine Allee im Zentrum haben und von vier Plätzen eingerahmt werden. Die Namensgeberin eines dieser Plätze war Renée Sintenis, eine Berliner Bildhauerin, die hauptsächlich Tiere in Bewegung für ihre Skulpturen ausgewählt hat. Ihr berühmtestes Werk ist der Berlinale-Bär, der auch den Eingang zu Berlin am Autobahndreieck Zehlendorf markiert. Die Pferdeskulptur auf dem Renée-Sintenis-Platz habe ich als Kind geliebt und sie oft erklettert.

© Credit: Cathrin Bach

Der Mittelpunkt von Friedenau: der Friedrich-Wilhelm-Platz

Wir lassen das Pferd hinter uns und laufen auf den Friedrich-Wilhelm-Platz zu, wo die evangelische Kirche „Zum Guten Hirten“ thront. Die Gemeinde ist meine Heimatgemeinde und feierte im Jahr 2018 ihr 125-jähriges Bestehen. Dort wurden vom Dach die Luftbilder gemacht, auf denen man schon meine alte Schule, das ehrwürdige Rheingau Gymnasium, sieht. Es ist die zweitälteste bestehende „Lehranstalt“ in Friedenau und war Drehort für zahlreiche Fernsehproduktionen. Beeindruckend ist die Walcker-Orgel in der Aula, eine ähnliche wird im Berliner Dom gespielt. Doch zu meiner alten Schule kommen wir gleich noch. Der Friedrich-Wilhelm-Platz war früher der soziale Mittelpunkt von Friedenau und ist es auch geographisch immer noch. Wir überqueren ihn über die Bundesallee / Wiesbadener Straße und laufen in die Goßler Straße.

© Credit: Cathrin Bach
© Credit: Cathrin Bach
© Credit: Cathrin Bach
© Credit: Cathrin Bach

Über einen Schwenk rechts (Handjerystraße) und dann links (Schwalbacher Straße) kommen wir dann zum Rheingau-Gymnasium. In der Handjerystraße stehen jede Menge Baudenkmäler. Sie war Heimat vieler berühmter Persönlichkeiten: Der Maler und Karikaturist Paul Simmel wohnte hier genauso wie Bully Buhlan, der Schöpfer des Hits „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“, den viele in der Version von Hildegard Knef kennen werden.

Marlene Dietrichs letzte Ruhestätte

Für den Rückweg wählen wir die Schwalbacher Straße über die Homuthstraße in nördlicher Richtung, kreuzen die Wiesbadener Straße und gelangen zum Südwestkorso. Dort befindet sich der Friedhof Friedenau an der Stubenrauchstraße. Hier liegen viele berühmte Persönlichkeiten, unter anderem Marlene Dietrich, Helmut Newton und Jeanne Mammen. Langsam findet unser Spaziergang ein Ende.

© Credit: Cathrin Bach
© Credit: Cathrin Bach

In nordöstlicher Richtung laufen wir den Südwestkorso bis zum Bundesplatz weiter. Dort lohnt ein Abstecher zum Süßkramdealer in der Seitenstraße. Die Ladenausstattung aus der Gründerzeit ist fast noch komplett erhalten, eine Zeitreise nach 1906. Von dort geht es weiter in die Wexstraße bis zum Innsbrucker Platz. Im Vergleich zu den vorher gesehenen Straßenzügen ist der Platz eine städtebauliche Sünde, die „autogerechte Stadt“ der 1970er Jahre wurde hier umgesetzt. Aber hier gibt es auch Schönes zu entdecken, zum Beispiel Berlins erstes Hochhaus am Innsbrucker Platz 4. Es ist im Bestand von degewo und aufgrund seiner Größe weithin sichtbar.

© Credit: Cathrin Bach

Hier endet unser kleiner Spaziergang. Auf GoogleMaps können Sie den Routenplan direkt abrufen. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Entdecken!