Stadtentwicklung

So wohnt es sich im ältesten Haus Köpenicks

Zwischen Fachwerkwänden und lehmverstrichener Decke haben sich über 400 Jahre Geschichte zugetragen. Das 1616 erbaute Haus in Alt-Köpenick 36 hat viele Menschen kommen und gehen sehen. Was macht es so besonders?

Für Haike Kaufmann ist es so, als ob es gestern gewesen wäre. Diese Kindheitserinnerung hat sich bis heute in ihr Gedächtnis gebrannt. Sie kennt dieses Haus inmitten der Altstadt von Köpenick, von Wasser umschlungen, ein Stück Paradies im Osten Berlins. Sie ist hier aufgewachsen, sie ist als kleines Mädchen unzählige Male an diesem Haus vorbeigelaufen.

Das Haus war eine Ruine. Nie hätte Kaufmann sich damals träumen lassen, dass sie es einmal sein würde, die als degewo-Mitarbeiterin für die Instandsetzung und Betreuung dieses Hauses – und weiterer Häuser in der Altstadt – verantwortlich sein würde.

Nach der Wende eine Ruine: die Rückseite des Hauses Anfang der 1990er-Jahre

Das Haus überlebte Kriege und Mangel

2016 feierte das Baudenkmal Alt-Köpenick 36 seinen 400. Geburtstag. Das zweigeschossige Vorderhaus mit Satteldach, zwei straßenseitigen flachen Dachgauben sowie einem linksseitig angeschlossenen Hofgebäude mit Satteldach wurde 1616 erbaut. Es ist damit das älteste Haus Köpenicks. Und man stelle sich nur kurz einmal vor, so ein Haus hätte Augen und Ohren und könnte sich an alles erinnern, was es erlebt hat.

Alte Fotos zeugen vom Wandel der Geschichte, die auf der Straße vor dem Gemäuer vorbeizog: erst Kutschen, dann das erste Auto, Soldaten, die Schrecken der Kriege, die totale Zerstörung. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag das Haus im Koma, dem Sterben nahe, dann kamen die Trümmerfrauen, der Wiederaufbau, die DDR-Zeit, die Wende und die Restaurierung. Heute beobachtet das Haus – wieder gesund und bewohnt – Familien beim Sonntagsspaziergang.

Das Denkmal erstrahlt in altem neuen Glanz

1991 lag Alt-Köpenick grau und kaputt darnieder, zahlreiche wertvolle historische Bauten waren heruntergekommen oder standen leer. Damals nutzte zuerst die Köwoge, dann degewo, beispielgebend für ganz Berlin, das Förderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ für Alt-Köpenick. „Das war damals ein wichtiges Zeichen, dass es weitergeht und die Stadt wieder in altem neuen Glanz erstrahlen kann“, sagt Kaufmann, die das Projekt schon damals betreut hat.

Im Sinne des Denkmalschutzes wurde Haus für Haus wieder aufgebaut und saniert. „In den Wänden haben wir noch alte Lehmwickel gefunden, mit denen heute gar nicht mehr gebaut wird“, schwärmt Kaufmann. 1994 sind wieder Mieter in das Baudenkmal gezogen. Zwei Wohnungen bietet das Haus und zwei Gewerberäume.

Dieses Gebäude ist ein kleines Juwel.

- Haike Kaufmann, degewo-Mitarbeiterin

Alt trifft neu: zwischen Fachwerk und Zentralheizung

Von Anfang an wurde das Vorhaben vom Landesdenkmalamt begleitet, sodass der alte Baustil bewahrt blieb, die Mieter aber zeitgemäß wohnen konnten: mit moderner Haustechnik und Zentralheizung. Die lehmverstrichene Dachgeschossdecke konnte erhalten werden, ebenso die Straßenfassade mit ihren Pfeilern, der historische Keller, der Dachstuhl von 1728 sowie die Fachwerk-Innen- und Außenwände.

Idyllischer kann man in Berlin kaum wohnen

Seit den neunziger Jahren lebt Monika Brexendorf mit ihrer Familie in einer der Wohnungen. „Es ist wunderschön“, sagt die Mutter zweier Kinder. „Die Architektur ist außergewöhnlich. Die schiefen Wände stören uns überhaupt nicht. Im Gegenteil! Dieses Haus hat einen ganz besonderen Charme – den ich nie wieder missen möchte.“

Hinter dem Haus liegt die Dahme, nebenan Schloss und Schlossinsel – idyllischer kann man in Berlin tatsächlich kaum wohnen als hier inmitten der Wasserstadt Alt-Köpenick. „Dieses Gebäude ist ein kleines Juwel“, sagt Kaufmann von degewo. „Und es ist uns wichtig, dass es nicht ein Museum ist, sondern lebendig, mit Mietern, die das Haus bewohnen.“