Stadtentwicklung

Wendenschloßstraße: Neue degewo-Wohnungen auf historischem Areal

Margitta Schulze Lohoff . Artikel aus dem degewo-Magazin stadtleben 4/2019

Alt trifft neu: An der Wendenschloßstraße und Luisenstraße in Köpenick hat degewo neue Wohnungen auf historischem Areal gebaut. Unweit der idyllischen Altstadt, wo die Dahme in die Spree mündet, entstanden drei Wohnkomplexe. Ein frischer Anblick im „Kietz“.

An manchen Orten hat man auf den ersten Blick das Gefühl, als sei im besten Sinne die Zeit stehen geblieben. Wie hier an dieser Straßenecke in Köpenick. Die Straßenbahn – die Linie 62 – surrt vorbei. Autos halten vor der Fußgängerampel. Eine Mutter schiebt einen Kinderwagen über die Wendenschloßstraße in Richtung des Hauses mit der Nummer 128. Ein Giebelbau, gelbverputzt. Erst wenn man die Wendenschloß- und Luisenstraße runterschaut, schiebt sich ein neuer Anblick ins Bild. Zu beiden Seiten strahlen die weißen Fassaden neuer Wohngebäude in der Sonne. Die Straßenecke in Köpenick hat ein neues Antlitz. Wie war es hier früher? Schauen wir zurück!

Ein Areal mit Geschichte im Herzen Köpenicks

Es war das Jahr 1925, als der Architekt Heinrich Kaiser für die Gemeinnützige Baugesellschaft Berlin Ost mbH hier in der Wendenschloßstraße ein neues Haus errichtete. Der Bau wird als bewegt beschrieben, schließlich biegt er ums Eck und fasst die südwestliche Ecke der Einmündung der Luisen- in die Wendenschloßstraße ein. Mit seiner gelben Fassade, den zahlreichen Schornsteinen auf den Walm- und Satteldächern und den Fensterläden erinnert er beinahe an typische Gartenstadtarchitektur. Auch innen sollte er zu einer Zeit, als alle von neuem Wohnen, Wohnungsnot und sozialem Wohnungsbau sprachen, die Lebensbedingungen seiner Bewohner verbessern – „in Bezug auf gesunde Lage, Besonnung der Wohnung, Grundrisslösung“, verzeichnete die Baugesellschaft, wie sie in einer Publikation schrieb, „erfreuliche Resultate“.

Eine wechselvolle Nutzungsgeschichte

Erfreuen konnten sich die Bewohner daran jedoch nicht lange. Vor allem der südliche Gebäudeteil wurde bald anders genutzt: Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen sowjetische Truppen ein, in den 1960er-Jahren wurde er zu einer Station der Volkspolizei umfunktioniert. Im Jahr 2014 wurde degewo das Areal vom Land Berlin zur Errichtung von Wohnungen übertragen – und um den „Kietz“ in Köpenick zu revitalisieren. 2017 rückten Bagger auf die Brache hinter dem Haus mit der Nummer 128 an. Das überwiegend militärisch genutzte Areal wurde komplett geräumt. 13 Gebäude wurden abgerissen: die ehemalige Handelsschule, Pferdeställe, das Gefängnis, Büro-, Werkstatt- und Lagerflächen. Die 128 blieb. Seit dem Sommer 2019 stehen rund um das gelb verputzte Haus drei Wohnkomplexe mit vier bis fünf Geschossen.

11.000 Quadratmeter Wohnfläche für Berlin

Von den 172 neu entstandenen Wohnungen sind 64 gefördert und werden zu einer Nettokaltmiete von 6,50 Euro pro Quadratmeter vermietet. Insgesamt 11.000 Quadratmeter Wohnfläche haben die neuen Gebäude, die Wohnungen in der Luisenstraße 24-26a und Wendenschloßstraße 130a-132c sind 45 bis 135 Quadratmeter groß.

Die Gebäude bilden eine geschlossene Blockrandbebauung – und so einen Stadtgrundriss, wie er in Köpenick üblich ist. In den Höfen sitzen Mieter auf Grünflächen, toben Kinder über Spielplätze. Und nebenan surrt die Straßenbahn in ihr Depot. Der sogenannte Betriebshof Köpenick im Stil norddeutscher Giebelbauten mit seinen schönen Jugendstilverzierungen steht dort übrigens seit Anfang des 20. Jahrhunderts und inzwischen unter Denkmalschutz. Manches ändert sich nie ...