Wir bei degewo

Hinter den Kulissen: Die Dauerrenovierer im Englischen Viertel

Unser Team der Wohnungskomplettsanierung (WKS) war im Englischen Viertel im Wedding im Einsatz. Und wir begleiteten die Kollegen über mehrere Wochen: Vom ersten Blick in die verlassene und zu sanierende Wohnung im Oktober letzten Jahres bis kurz vor Fertigstellung und Übergabe an die neuen Mieterinnen und Mieter.

Rund 20 Prozent aller Wohnungssanierungen werden bei degewo von der Tochtergesellschaft degewo Technische Dienste GmbH (dTD) realisiert. „Daneben ist die degewo Technische Dienste GmbH auch in der Kleininstandhaltung, Wartung und in Bauteilprogrammen (z. B. Fensterprogramm, Treppenhaussanierungen, Austausch von gasbetriebenen Wärmeerzeugungsanlagen etc.) tätig“, ergänzt dTD-Geschäftsführer Gerald Gaedke. „Das verlängert nicht nur die Wertschöpfungskette innerhalb des degewo-Konzerns, sondern erspart den Kollegen bei bauWerk und Einkauf auch langwierige Ausschreibungsverfahren“, fährt er fort.
Der kurze Blick, den Abteilungsleiter Steffen Vormelcher und sein Vorarbeiter Michael Begitt beim Betreten der Parterrewohnung in der Schöningstraße 23 austauschen, spricht Bände: Hier haben wir es mit einem aufwändigen Fall zu tun, das wird eines der größeren Sanierungsprojekte der dTD. Dennoch wirken beide Männer kaum geschockt. Kurz und sachlich nehmen sie den für Außenstehende katastrophalen Zustand der etwa 60 Quadratmeter großen Zwei-Zimmer-Wohnung auf: Vergilbte, abgelöste Tapete an den Wänden; Löcher in der Decke, durch die Holzlatten und Strohdämmung hervorlugen; wildes Kabelwirrwarr, das aus Schächten quillt oder quer über Wände verlegt wurde; lose angeschlossene Elektrostecker und -dosen; unter der Decke hängende uralte Heizkörper in der Küche; unsachgemäß abgehangene Decken und Wandverkleidungen; zerfurchte Dielenböden; abgeplatzte Farbe an Türen und Fensterrahmen; bröckelnde Fugen an Fenstern; freistehende Fallrohre und gesprungene Fliesen im Bad.

Kurz darauf treffen auch der Teilgruppenleiter WKS & Ausbau Jürgen Bildstein sowie der verantwortliche technische Mitarbeiter des zuständigen KuZ Nord Thomas Schinkel in der Erdgeschosswohnung ein. Gemeinsam mit Vormelcher und Begitt entscheiden sie als Team, was genau in der Wohnung geschehen soll. Priorität haben dabei alle sicherheitsrelevanten Arbeiten an der Elektrik sowie an der Heizungs- und Sanitärinstallation. Gemeinsam berät das Team und beschließt, was mit welchem Aufwand erforderlich, umsetzbar und rentabel ist. „Wir alle lieben zum Beispiel alte Dielen. Aber wenn das Holz unwiederbringlich beschädigt ist, können wir es nicht aufarbeiten“, erklärt Vormelcher.

In der Schöningstraße 23 wird entschieden, dass in Küche und Bad zunächst Wände abgebrochen werden müssen, damit die erforderliche Grundrissänderung möglich wird, um das neue Bad in einer attraktiven Größe gestalten zu können. Für alle beschlossenen Arbeiten wird ein Bauzeiten- und Ablaufplan erarbeitet. Abteilungsleiter Steffen Vormelcher ist in Summe mit 115 Mitarbeitern für Instandhaltung, Wohnungskomplettsanierung (WKS) sowie laufende Projekte wie Fenster- oder Treppenhaussanierungen bei der degewo Technische Dienste GmbH verantwortlich. Darunter ist Jürgen Bildstein mit 42 Mitarbeitern für alle WKS-Maßnahmen der dTD zuständig. Ein Zwölf-Mann-Team übernimmt alle Leistungen der WKS-Maßnahmen im Englischen Viertel. Zirka 700 Wohnungen im Englischen Viertel erhalten Zug um Zug eine Strangsanierung. „Die Herausforderung hier besteht darin, dass wir die neuen Stränge für Wasser, Heizung und Abwasser im bewohnten Zustand erneuern“, sagt Steffen Vormelcher. „Das bedeutet, dass die Bauarbeiten mit den jeweiligen Mietern und denen darüber und darunter eng abgestimmt werden müssen“, erläutert er.

Bildsteins Bautrupp besteht aus zwei Tischlern, einem Elektriker, drei Malern, einem Fliesenleger und einem Trockenbaukollegen, zwei Sanitär- und Heizungsexperten und einem Dielenfachmann. Vorarbeiter Michael Begitt überwacht den Baufortschritt in den einzelnen Wohnungen: „Damit wir den gesteckten Zeitplan von etwa sechs bis neun Wochen für die einzelnen Wohnungssanierungen halten, müssen wir stets flexibel und spontan reagieren können“, sagt er. Denn bei fast allen Wohnungen warten unzählige Überraschungen, die gemeistert werden wollen.

Wir versuchen stets, so schnell wie möglich zu sein und diese Arbeiten in den Vormittag zu legen, damit die Belastung so gering wie möglich ist.

- Michael Begitt, Vorarbeiter dtD

Zunächst beginnen die Sanierungsarbeiten in der Schöningstraße mit groben Abrissarbeiten. Eine Woche nach dem Teammeeting dudelt ein kleines Kofferradio auf dem Fußboden gegen die Fräsmaschine von Rene Majewski an. Er arbeitet gerade die Dielung auf. Im Nebenraum reißt Adrian Rech alte Tapeten ab, Kollege Marco Gustke entfernt Heizkörper und Waschbecken, anschließend werden die Badewanne und das Toilettenbecken entfernt. Diese Phase ist auch für alle anderen Mieter im Haus wegen des Lärms am anstrengendsten.

„Wir versuchen stets, so schnell wie möglich zu sein und diese Arbeiten in den Vormittag zu legen, damit die Belastung so gering wie möglich ist“, sagt Begitt. Am Ende bleibt die „nackte“ Rohbauwohnung, in der es nach Beton, Stein und Sand riecht. In die schickt Michael Begitt dann die Elektriker und die Sanitärexperten, um Kabel und Rohre neu zu verlegen und Wände wieder grob zu schließen. „Es ist auch für uns alle immer schön zu sehen, wie scheinbar aus Nichts eine neue, schöne Wohnung wächst“, sagt Michael Begitt.

Nach den lärm- und schmutzintensiven Arbeiten sind als Nächstes die Tischler dran: Fenster und Türen werden komplett überarbeitet beziehungsweise repariert. Alles, was Staub macht und Schmutz, muss hintereinander weg passieren.  Erst dann können die Schönheitsarbeiten beginnen: Dazu zählen Tapezier- und Malerarbeiten inklusive Lackierarbeiten. Doch bevor es so weit ist, gibt es in der Schöningstraße Verzögerungen: Die Mieter in der ersten Etage melden sich trotz wiederholter Anschreiben und Anrufe nicht. „Dadurch können wir keine neuen Rohrleitungen verlegen. Die Anschlüsse an das neue Rohrsystem müssen ja von Wohnung zu Wohnung verlegt  werden“, sagt Steffen Vormelcher. Klar ärgert er sich über diesen unnötigen Verzug. Aber ein kurzer Anruf bei Michael Begitt löst das Problem: Die Kollegen vom Gewerk Sanitär werden kurz entschlossen in eine andere Wohnung geschickt, um dort die Sanitärobjekte zu montieren. Vielleicht kann es dann in den nächsten Tagen auch in der Schöningstraße weitergehen, hofft das Team.
Manchmal kann es auch vorkommen, dass Materialien nicht rechtzeitig auf der Baustelle eintreffen: „Die Kollegen in den installierenden Gewerken planen nach dem Bauzeitenplan, welche Menge an Kabeln und Rohren sie benötigen, und ordern diese selbstständig online beim Großhändler. Alle anderen Materialien werden über Vorarbeiter Begitt beschafft.

Und doch kann es passieren, dass durch unerwartete Nachforderungen oder Lieferengpässe Zeitdruck entsteht“, sagt Steffen Vormelcher. „Wir können uns eigentlich keine Leerzeiten leisten. Denn am Ende geht es immer um Kosten.“ Und die muss Steffen Vormelcher streng im Blick behalten. Denn nur wenn die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, können die modernisierten Wohnungen auch zu den Mieten gemäß der Kooperationsvereinbarung „Leistbare Mieten, Wohnungsneubau und soziale Wohnraumversorgung“ vermietet werden, die mit dem Land Berlin geschlossen wurde. Und das ist ein wichtiges Ziel, auch beim Tochterunternehmen degewo Technische Dienste GmbH. Ein Tag vor geplanter Fertigstellung: Wieder dudelt ein Radio. Ein Kollege frotzelt, ob denn Schlager wirklich sein müssen ...

Insgesamt fünf Kollegen sind mit den letzten Schönheitsarbeiten beschäftigt: Der Auszubildende Adrian Rech steht auf der Leiter am offenen Fenster des Wohnzimmers und streicht mit einem kleinen Pinsel die Fensterrahmen sauber nach. „Du sollst dich nicht sonnen“, ruft ihm seine Kollege Frank Schultze lachend zu. Der Elektriker schließt heute alle Steckdosen und Lichtschalter an den zuvor fertig gestrichenen Wänden an. Überall, wo lauter bunte Drähte aus der Wand ragen, sortiert er die Kabel und verbindet sie mit den Verkleidungen.

Bernhard Sobek, ebenfalls Maler, begutachtet im hellen Sonnenschein die Zimmerwände. „Hier ist die Farbe nicht ganz deckend“, stellt er mürrisch fest und rollt mit der Farbe erneut drüber. Auch im Bad wird nochmals geprüft: „Fließt überall Wasser, sind alle Dichtungen wirklich dicht?“ Auch Steffen Vormelcher und Michael Begitt kommen kurz vorbei: „Sieht gut aus“, sagt diesmal der Blick, den die beiden zufrieden austauschen. Wenn morgen ein Mietinteressent zur Wohnungsbesichtigung erscheint, wird er begeistert sein vom vorgefundenen Ausbaustandard, ist sich das Team der degewo Technische Dienste GmbH sicher. Nur schade, dass der zukünftige Mieter nicht ahnt, wie seine neue Wohnung noch vor wenigen Wochen aussah. Vielleicht wäre seine Freude dann noch größer.