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Nachbarschaft

Der geistige Treibstoff der Stadt: Berlins Bücherschränke

Die Berliner Bücherboxen tarnen sich recht gut und werden oft erst bei genauerem Hinsehen bemerkt. Deshalb verraten wir hier einige Orte, an denen man durchgelesene Bücher auf die Reise schicken und sich dafür mit neuem Lesestoff eindecken kann.

Der stellvertretende Bürgermeister und Kultursenator Klaus Lederer hat Buchläden, Buchanldungen und Bibliotheken als „geistige Tankstellen“ bezeichnet – und damit Altkanzler Helmut Schmidt zitiert. Trotz des Lockdowns sind sie weiterhin (wenn auch teils eingeschränkt) geöffnet. Doch Büchereien und Buchläden sind in Berlin nicht die einzigen Orte, an denen man geistig auftanken kann: Öffentliche Bücherschränke, die teils recht unauffällig sind, stehen in nahezu jedem Berliner Stadtteil als kostenlose Buchtausch- und Ausleihbörse. Besucherinnen und Besucher werden dort oft mit unerwarteten Buchschätzen überrascht. Diese folgenden haben es uns besonders angetan.

Informationsmöbel „Gropius-Eck“

Am südlichen Ausgang des U-Bahnhofs Wutzkyallee (U7) auf dem Rotraut-Richter-Platz steht zwischen Häusergiganten das dreieckige Informationsmöbel namens „Gropius-Eck“. Hier können auf einer Seite Bücher geliehen, gespendet und getauscht werden. Auf einer anderen Seite informieren Plakate über das Quartier. Die dritte Seite besteht aus einer Tafel, auf der sich die Anwohnerinnen und Anwohner gegenseitig Nachrichten hinterlassen können. Das Informationsmöbel wurde vom Träger Live e.V. entwickelt, damit in Zeiten von Corona und Kontaktbeschränkungen auch Menschen ohne eigenen Internetzugang informiert bleiben und sich austauschen können.

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Bücherbox am Ackerplatz

Vor dem Edeka-Supermarkt am Ackerplatz steht ein in blau und grün angemalter Bücherschrank, der von degewo gespendet wurde. Dieser Schrank hat bereits einen Umzug hinter sich, er stand vorher in der benachbarten Hussitenstraße. Weil er dort jedoch zu wenig Beachtung fand, wurde er kurzerhand auf den temporär umgestalteten Ackerplatz verpflanzt, wo er nun regelmäßiger besucht wird. Für den richtigen Umgang haben die Betreuerinnen und Betreuer des Bücherschranks ein eigenes Erklärvideo aufgenommen:

Bücherboxx vor dem Centre Français im Wedding

Stilecht vor dem Centre Français de Berlin ist die Bücherboxx im Wedding keine gewöhnliche Telefonzelle. Stattdessen steht dort eine aus Paris importierte cabine téléphonique, die mit Bücherregalen ausgestattet wurde und auf dem Dach sogar eine Solaranlage hat. Im Inneren der französischen Bücherboxx findet sich eine chaotische Mischung: Von Daphne du Mauriers „Träum erst, wenn es dunkel wird“ über Wörterbücher, Krimis von Charlotte Link bis hin zu Videokassetten, Magazinen und einem Bildband über die Magie Sachsen-Anhalts ist alles dabei. An die Rückseite des Bücherregals in der Kabine hat jemand ein Partnergesuch gekritzelt: „Bücher-Uhu sucht reife, weise Frau mit Herz, Seele und Gefühl.“ Wer die Handynummer des Bücher-Uhus haben möchte, findet sie in der Bücherboxx, Müllerstraße 74.

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Bücherboxx Osloer Straße 12

Die Bücherboxx in der Osloer Straße befindet sich in einer der klassischen knallgelben Telefonzellen, die fast völlig aus den Städten verschwunden zu sein scheinen. Sie steht auf dem Gelände der Fabrik Osloer Straße und erwartet Buchtauschfreudige mit einer reichen Auswahl: Das Bertelsmann Universal Lexikon, Bücher über Yoga und ein kleiner Band mit bulgarischen Karikaturen standen bereit, als wir schmökern waren – um nur einige zu nennen.

Moabits Bücherbänke

Bücherbänke statt Bücherschränke! Das gilt zumindest in Moabit. Das Prinzip ist ganz ähnlich: Man kann sich ein Buch mitnehmen und dafür ein anderes hinterlassen. Die Bücherbänke in Moabit sind außerdem Teil der Bookcrossing-Bewegung: Die Bücher bekommen eine Identifikationsnummer, mit denen ihr Weg weltweit über die Bookcrossing-Plattform verfolgt werden kann. Wer sich ein Buch mitnimmt, kann es über diese Nummer selbst auf der Plattform eintragen oder nachschauen, wo das Buch schon überall war. Bücherbänke gibt es zum Beispiel vor der Kleinen Galerie Moabit in der Beusselstraße 2, oder vor dem Café „Birkenwunder“ in der Birkenstraße 32.

Bücherbox Köpenick

Auch Köpenick hat eine Bücherbox, aufgestellt auf Initiative eines Anwohners hin. Finanziert wird sie von degewo, der Wohnungsgesellschaft Amtsfeld und aus der Kiezkasse des Bezirks. Die Bücherbox befindet sich in einer ausrangierten Telefonzelle, die vor der Kita Amtsfelder Knirpse in der Pablo-Neruda-Straße 12-13 steht. Übrigens: Damit die Bücher nicht feucht werden, wurde sogar ein Entfeuchter eingebaut. Außerdem ist sie über Nacht beleuchtet, sodass man auch nach Einbruch der Dunkelheit noch zum Schmökern vorbeikommen kann.

Liste der öffentlichen Bücherschränke in Berlin – und weltweit

Auf den Geschmack gekommen? Es gibt noch viel mehr zu entdecken! Eine umfangreiche Liste mit öffentlichen Bücherschränken in Berlin gibt es hier. Das Projekt „OpenBookCase“ verzeichnet sogar international Bücherschränke. Allein in Berlin kennt die Plattform über 140 Stellen, an denen Buchliebhaberinnen und -liebhaber Lesestoff bereitstellen und tauschen.