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Im Schatten der Platten: Das Dorf Alt-Marzahn

Hier wohnt in jedem Hochhaus ein Dorf: Marzahn-Hellersdorf ist die größte Plattenbausiedlung Europas. 18.000 Wohnungen im Bezirk gehören zum degewo-Bestand. Doch zwischen den Wohnriesen liegt auch ein richtiges Dorf: Alt-Marzahn. Wir nehmen Sie mit auf Erkundungstour zu Berlins idyllischem Angerdorf.

Das Dorf Marzahn gab es bereits seit dem Mittelalter, es entstand um 1230. Damals hieß es noch Murtzan oder Morczane – so der erstmals 1300 urkundlich erwähnte Name. Über 700 Jahre später steht nur noch der Kern Alt-Marzahn, der sogenannte Dorfanger. Seit 1977, als im Bezirk die ersten Plattenbauten bezogen wurden, steht das Ensemble unter Denkmalschutz und wird ab 1982 rekonstruiert.

© Credits: Angela M. Arnold (=44penguins), CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons
Die Dorfkirche in Alt-Marzahn, eine neugotische Backsteinkirche, erbaut 1869-1871 nach Plänen des damaligen Stararchitekten Friedrich August Stüler. Im Hintergrund ein Hochhaus des Typs WHH-GT 18/21 mit degewo-Logo.

Im Schatten der Platten: Ein richtiges Dorf inmitten der Großsiedlung

Der Kontrast könnte größer nicht sein: Steht man im Dorfkern und schaut gen Norden in die Höhe, sieht man Beton, soweit das Auge reicht. War man eben noch auf der Allee der Kosmonauten auf Asphalt unterwegs, hat man nun altes Kopfsteinpflaster unter den Füßen. Alt-Marzahn hat alles, was ein echtes sogenanntes märkisches Angerdorf ausmacht. Es ist um einen zentralen Platz, den Anger, herum gebaut. Es gibt eine Dorfstraße, eine Dorfkirche und sogar eine eigene Windmühle, die man mit ihren über 20 Meter großen Flügeln nicht übersehen kann. Seit 1994 ist sie sogar wieder in Betrieb und kann bis zu 1.000 kg Weizenmehl am Tag mahlen.

Was kann man in Alt-Marzahn unternehmen?

Etwas am Rand des Dorfkerns liegt das KulturGut Marzahn, das in einem klassischen Dreiseitenhof untergebracht ist. Dort finden Feste und Veranstaltungen statt. Kreative werden die Kunst- und Keramikscheune „Schamottchen“ zu schätzen wissen, die direkt daneben liegt. Ebenfalls am KulturGut finden Sie den Bauerngarten, wo selten gewordene oder kaum noch bekannte Pflanzenarten wie Blutampfer oder Felsenbirne gedeihen. Auch Tiere werden in Alt-Marzahn gehalten: Auf dem Tierhof sind Pferde, Schafe, Ziegen und Hühner zu Hause. Der Ort ist vor allem bei Kindern beliebt, sie können hier zum Beispiel auch als Vorbereitung auf ein Haustier einen Tierführerschein machen.

Unser Engagement in Marzahn-Hellersdorf

Marzahn-Hellersdorf ist ein vielfältiger und spannender Bezirk. Hier wohnen Menschen jeglichen Alters und jeglicher Herkunft. Viele Vereine, Träger, Jugendclubs und Projekte vor Ort prägen das soziale Miteinander. Und auch wir von degewo engangieren uns im Bezirk: Indem wir Begegnungs- und Unterstützungsangebote schaffen und Partnern vor Ort kooperieren. Einige Höhepunkte des Jahres bilden unsere Veranstaltungen wie die Marzahner Blütenpromenade, das degewo-Kiezkonzert und unser Mieterfest – Veranstaltungen, die wir hoffen bald wieder mit Ihnen feiern zu dürfen.

Für die Geschichtsinteressierten bietet sich ein Ausflug ins Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf an, das im Gebäude der ehemaligen Dorfschule direkt auf dem Anger steht. Dahinter ragt die Dorfkirche empor, deren Innenraum sonntags zwischen 14:00-16:00 Uhr allen Besucherinnen und Besuchern offensteht. Oder besuchen Sie die Bockwindmühle, wo auch heute noch wie vor 100 Jahren Weizen zu Mehl gemahlen wird.

Alt-Marzahn: Eine Zeitreise in Bildern

Schon zu Ostzeiten war Alt-Marzahn eine Attraktion. Wir nehmen Sie mit auf eine kleine Zeitreise in die 1980er-Jahre bis heute:

© Credits: Attribution: Bundesarchiv, Bild 183-1985-0723-004 / Zimmermann, Peter / CC-BY-SA 3.0
Mit Pferdekutsche durchs Dorf. Dieses Bild entstand 1985, drei Jahre nachdem mit der Rekonstruktion des Dorfes Alt-Marzahn begonnen wurde.
© Credits: Attribution: Bundesarchiv, Bild 183-Z0105-033 / CC-BY-SA 3.0 Karl-Heinz Schindler
Das winterliche Dorf 1981. Im Hintergrund erhebt sich die Großsiedlung des 3. Wohngebiets.
© Credits: Attribution: Bundesarchiv, Bild 183-1987-1111-015 / Zimmermann, Peter / CC-BY-SA 3.0
Beim Errichten der größten Plattenbausiedlung Europas hat man das Dorf nicht einfach dem Erdboden gleich gemacht: Alt-Marzahn wurde 1977 unter Denkmalschutz gestellt und ab 1982 rekonstruiert. In den 60 Häusern des Dorfes wohnten genauso Menschen wie in den umliegenden Hochhäusern.
© Credits: Bundesarchiv, Bild 183-Z1112-003 / Zimmermann, Peter / CC-BY-SA 3.0
Die Gaststätte gibt es noch immer, heute unter dem Namen „Landhaus Marzahner Krug“. Nur steht heute selten noch ein Trabi davor.
© Credits: Angela M. Arnold (=44penguins), CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons
Alt-Marzahn heute, in Farbe. Aus diesem Blickwinkel könnte man vermuten, in einem brandenburgischen Dorf zu sein.
© Credits: Angela M. Arnold (=44penguins), CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons
Ein Blick über den Dorfanger in die andere Richtung macht jedoch klar, dass man inmitten der größten Plattenbausiedlung Europas steht.
© Credits: Geoprofi Lars Kameraposition52° 32′ 48,63″ N, 13° 33′ 30,83″ O Dieses und weitere Bilder auf OpenStreetMap 52.546842; 13.558565, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons
Aus der Vogelperspektive wird noch deutlicher, wie nah beieinander Dorf und Hochhäuser teilweise liegen.

Alt-Marzahn ist nicht das einzige Dorf in Marzahn-Hellersdorf

Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf ist riesig: Über 61,8 Quadratkilometer erstreckt sich das Gebiet – das ist etwa dreimal so groß wie die gesamte Fläche des Frankfurter Flughafens! Neben Alt-Marzahn liegen auch die Dörfer Biesdorf (mit seinem bekannten Schloss), Kaulsdorf und Mahlsdorf (mit dem berühmten spätbarocken Gutshaus) im Bezirk. Es gibt also viel zu entdecken.