© Credits: dpa Picture- Alliance
Stadtentwicklung | Marzahn

Marzahn: Grün und lebenswert statt trist und grau

Als Stadtgestalter und größter Vermieter in Marzahn verbindet uns bei degewo eine ganz besondere Beziehung mit dem Bezirk: Wir kümmern uns um 18.000 Wohnungen. Nun kommen noch einmal hunderte dazu: Ein neues Quartier in der Karl-Holtz-Straße entsteht.

Es gibt sie in Ost und West: Großsiedlungen aus der Zeit der deutschen Teilung. Im Süden Berlins beispielsweise die Gropiusstadt, in Reinickendorf das Märkische Viertel und im Osten der Stadt Marzahn und Hellersdorf. Schaute man nach der Wende skeptisch auf die aus der Wohnungsnot geborenen Großsiedlungen, erfahren sie heute neue Wertschätzung. So auch Marzahn.

Unser Engagement in Marzahn

Man kann von Großraumsiedlungen halten, was man will, aber vieles dort macht das Wohnen angenehm und lebenswert. Das ist auch den Vereinen, Trägern, Jugendclubs und Projekten vor Ort zu verdanken, die das soziale Miteinander prägen. Auch degewo engagiert sich im Bezirk. Wir schaffen Begegnungs- und Unterstützungsangebote und kooperieren mit Partnern vor Ort. Einige Höhepunkte des Jahres bilden unsere Veranstaltungen wie die Marzahner Blütenpromenade, das degewo-Kiezkonzert und unser Mieterfest – derzeit jedoch coronabedingt in einer Zwangspause.

Doch von vorne: Wie fing eigentlich alles an mit den Wohnriesen im Berliner Nordosten?

Marzahn in der DDR: Eine Großsiedlung entsteht

1977 zogen die ersten Mieterinnen und Mieter in ihre „Platten“ ein. Da war Marzahn noch eine Großbaustelle. Kinder spielten auf Sandbergen und nicht selten musste man sich bei Regen über ausgelegte Planken in den Hauseingang bewegen. Doch die Menschen zogen gerne hier ein, die modernen Wohnungen – Plattenbauten des Typs WBS 70 und WWH GT– hatten viele Annehmlichkeiten zu bieten, die in den kalten, feuchten Altbauten Ost-Berlins nicht Standard waren: Zentralheizung, ein innenliegendes Bad und fließend Warmwasser waren damals keine Selbstverständlichkeit.

© Credits: ullstein bild
Marzahn im Jahr 1977 ...
© Credits: dpa Picture-Alliance
... 1983, ...

Innerhalb von elf Jahren wurden 60.000 Wohnungen gebaut, ein ganzer Bezirk aus dem Boden gestampft. Wo sich vorher hektarweise Rieselfelder erstreckten, ragten nun Betonriesen in die Höhe. Eine ganze Infrastruktur wurde gleich mitgebaut, Marzahn wurde für Familien konzipiert: Kitas, Schulen, Verkehrsanbindung, Einkaufsmöglichkeiten, Kulturstätten – für alles war gesorgt.

Stadtumbau Ost: Als Stadtgestalter Marzahn entwickeln

Nach der Wende verlor Marzahn jedoch an Attraktivität, viele Wohnungen waren sanierungsbedürftig und standen leer, die Menschen zog es in andere Bezirke des wiedervereinigten Berlins. Die größte Plattenbausiedlung Deutschlands musste neu gedacht werden. Im Zuge des Stadtumbaus Ost wird Marzahn umgestaltet, am bekanntesten ist wohl der Umbau der Ahrensfelder Terrassen. Dass Marzahn als Wohnort wieder attraktiv geworden ist, liegt sicherlich auch an den vielen Grünflächen: Mit den Gärten der Welt, dem Bürgerpark, dem Naturraum Wuhletal und vielen weiteren Parkanlagen liegt Marzahn-Hellersdorf auf Platz drei der grünsten Bezirke Berlins.

© Credits: dpa Picture - Alliance
... 2004 ...
© Credits: Picture-Alliance
... 2015 ...
© Credits: Kitty Kleist-Heinrich
... 2017 ...

Zukunftsprojekt in Marzahn: Das Quartier in der Karl-Holtz-Straße

Und doch sank damals die Nachfrage nach Wohnraum, viele Wohnungen in den Plattenbauten standen leer. Frühere Bebauungspläne wurden nicht realisiert, die Freifläche wurde zwischenzeitlich als Erholungsort genutzt. 2006 wurde an der Karl-Holtz-Straße eine große Freifläche geschaffen, indem drei Plattenbaublöcke abgerissen wurden.

Nun wächst Berlin seit Jahren wieder, und so wächst auch der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. Als Stadtgestalter erkennen wir hier die Möglichkeiten, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und bauen seit Dezember 2019 auf der Freifläche Karl-Holtz-Straße 12-18 und dem angrenzenden landeseigenen Grundstück in der Rudolf-Leonhard-Straße 7A sieben mehrgeschossige Bauten und acht Townhouses. Insgesamt entstehen 439 Wohnungen mit 26.000 Quadratmeter Wohnfläche.

Ein Familienquartier mit sozialverträglichen Mieten

Die Hälfte der Wohnungen wird gefördert und zu einem Preis von 6,50 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter vermietet. Auch für die sozialen und gesellschaftlichen Angebote ist gesorgt: Das Konzept für Wohnen, Kita, Grundschule, Nachbarschaftscafé und Gewerbenutzung wurde in einem mehrstufigen Werkstattverfahren entwickelt, an dem neben Expertinnen und Experten auch die Anwohnerinnen und Anwohner beteiligt waren. „Die Karl-Holtz-Straße ist unsere Vision für familiengerechtes Wohnen in der Zukunft“, fasst es Julia Miethe vom degewo-Kundencenter Nordost zusammen. Im Sommer 2022 sind die Wohnungen bezugsfertig.

Stadtgestalter²

Lebendige Quartiere und ein gutes Miteinander: Dafür sorgt degewo als Stadtgestalter². Uns geht es um mehr als nur bezahlbares Wohnen, wir wollen die Stadt aktiv mitgestalten und so für nachbarschaftlichen Zusammenhalt eintreten.

© Credits: degewo

Kleine Straßennamenkunde: Wer waren Karl Holtz und Rudolf Leonhard?

Karl Holtz (1899-1978) war vor allem als Zeichner und politischer Karikaturist bekannt. Eines seiner Werke brachte ihn in große Schwierigkeiten: Für eine Stalin-Karikatur verurteilte ein sowjetisches Militärgericht den Grafiker 1949 zu einer Haftstraße von 25 Jahren. Holtz wurde 1956 begnadigt und arbeitete dann weiter für zahlreiche Zeitungen, Zeitschriften und Magazine.

Rudolf Leonhard (1889-1953) war Schriftsteller und wurde von den Nazis zwangsausgebürgert. In Frankreich war er Teil der Résistance und verfasste Widerstandsgedichte und Flugblätter. Dort geriet er auch in Gefangenschaft, die er schwer krank überlebte, und kehrte nach dem Krieg nach Berlin zurück.