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Warum heißt es … Helene-Weigel-Platz?

Sie träumte von den großen Bühnen Deutschlands, wurde von den Nationalsozialisten verfolgt und kämpfte sich anschließend zurück in die Theaterelite Berlins. Begeben Sie sich mit dem degewo-Blog auf die spannende Reise durch die Lebensgeschichte von Helene Weigel.

Helene Weigel war eine Frau mit einem lebendigen und aufgeweckten Charakter. Der Helene-Weigel-Platz in Berlin Marzahn ist durch regelmäßige Wochenmärkte, das jährliche Kiezkonzert und zahlreiche Mieterinnen und Mieter des Doppelhochhauses von degewo heute ebenso voller Leben.

Helene Weigel: Für die Bühne geboren

Was haben Falco, Sigmund Freud und Helene Weigel gemeinsam? All ihre Lebensgeschichten führen uns über 500 Kilometer aus Berlin heraus, in die österreichische Hauptstadt Wien. Dort wurde die Schauspielerin am 12. Mai 1900 in eine jüdische Familie hineingeboren. Die Schulzeit prägte nicht nur ihre Grundwerte, sondern auch ihre Liebe zum Theater entwickelte sich hier. Für sie war schon in diesem jungen Alter klar, dass sie die Bühnen dieser Welt erobern möchte. So sprach die junge Frau direkt nach ihrem Abitur an der Wiener Volksbühne vor. Ihr Talent wurde schnell erkannt und sie konnte das Publikum bereits nach einem Jahr Schauspielausbildung in Frankfurt am Main und Berlin mit ihren Auftritten begeistern.

Eine filmreife Künstlerehe

Berlin prägte Helene Weigels Lebensweg nicht nur beruflich. Während ihres Dramaturgiestudiums in der heutigen Hauptstadt lernte sie wichtige schauspielerische Grundlagen von Max Reinhardt, dem Begründer der weltbekannten Salzburger Festspiele. Ganz nebenbei lernte sie Bertolt Brecht kennen und lieben. Der deutsche Schriftsteller verließ seine damalige Ehefrau Marianne Zoff für die neue Liebe zu Helene Weigel und bekam mit ihr zwei Kinder. Es folgte eine stürmische Künstlerehe. Auch beruflich profitierten die beiden aus ihrer privaten Beziehung. Nach Weigels Durchbruch in der Uraufführung von Brechts „Die Mutter“ folgten viele weitere Stücke ihres Mannes, in denen sie eine Rolle ergattern konnte.

Das Alte Rathaus (links) ist einer der wenigen Rathaus-Neubauten der DDR und steht seit 2008 unter Denkmalschutz ...
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Davor steht der Brunnen mit Skulptur des Bildhauers Rolf Bibl mit dem Titel „Familie“. Rechts im Bild das degewo-Doppelhochhaus und die Springpfuhl-Passage.

Vom Rampenlicht in das Exil

Helene Weigels Aufstieg am Theaterhimmel wurde durch die Machtübernahme der Nazis 1933 unterbrochen. Damit war klar, dass sie als Jüdin ihre Karriere sowie Deutschland hinter sich lassen muss. Es folgte das Exil mit einer langwierigen Flucht, zunächst durch Europa, anschließend in die USA. 15 Jahre lang musste die passionierte Theaterdarstellerin nun ohne die Bühne leben. In dieser Zeit vertiefte sie sich in ihre Rolle als fürsorgliche Mutter und Hausfrau, außerhalb des Scheinwerferlichts.

Die Revolution der Theaterära

„Berlin, du bist so wunderbar“ – das muss sich auch Helene Weigel gedacht haben. Ihre Liebe zu Berlin war so groß, dass es sie nach dem Ende des Nationalsozialismus wieder zurück in den Osten der Stadt zog. Mit der Aufführung des Stücks „Mutter Courage und ihre Kinder“ trugen Bertolt Brecht und Helene Weigel zum Beginn einer neuen Theaterära bei. Gemeinsam bauten sie das Berliner Ensemble auf, das schnell Beachtung fand und sich zu einem großen Publikumsmagneten entwickelte. Klein und Groß, Jung und Alt strömen seitdem ins Theater am Schiffbauerdamm. Genauso ist es heute auf dem Helene-Weigel-Platz, wo zwischen Wohn- und Gewerbefläche Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen aufeinandertreffen – ein wahrer Begegnungsplatz in Berlin-Marzahn.

Schon gewusst?

Auch die Straßennamen der degewo-Neubauprojekte in der Ludwig-Renn-Straße und der Karl-Holtz-Straße haben historische Wurzeln. Die Namensgebung erfolgte zu Ehren des Illustrators Karl Holtz und des Schriftsteller Ludwig Renn.

Helene-Weigel-Platz: zwischen spannender Architektur und Freizeitspaß

Hinter dem Helene-Weigel-Platz steckt nicht nur die spannende Vergangenheit einer inspirierenden Frau, auch heute hat der Ort noch einiges zu bieten. Kunstliebhaber finden zwischem dem ehemaligen Rathaus, der glasüberdachten Springpfuhl-Passage und des degewo-Doppelhochhauses vom Typ WHH GT 18/21  zahlreiche Skulpturen. Wer sich austoben oder sportlich aktiv werden möchte, der kommt in der frisch sanierten Schwimmhalle „Helmut Behrendt" auf seine Kosten. So begegnen sich auf dem Helene-Weigel-Platz zwischen Geschichte, Kunst, architektonischer Vielfalt und Freizeitspaß Menschen verschiedenster Generationen und Interessen. Schauen Sie doch einmal vorbei, wenn Sie das nächste Mal in Berlin-Marzahn unterwegs sind!

Serie: „Warum heißt es …?“

In unserer Reihe „Warum heißt es …?“ nimmt der degewo-Blog Sie mit auf spannende Reisen durch die Straßen und auf die Plätze Berlins.

Erfahren Sie gemeinsam mit uns was hinter den Orten aus Ihrem Alltag steckt - von historischen Persönlichkeiten über kuriose Gegenstände und Berufsbezeichnungen bis hin zu einzigartigen Pflanzen.

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