Blick von Außen auf die Frontscheibe eines Doppeldecker-Busses mit der Aufschrift: Wir machen Demokratie stabil. Hinter der Scheibe schreibt ein Mädchen etwas ans Fenster mit einem bunten Stift. © Credit: Tilo Wiedensohler/camera4
Engagement | Nachbarschaft

Einsteigen bitte! Demokratie-Mobil im degewo-Kiez

Für das Zusammenleben in Berlin ist nicht nur bezahlbarer Wohnraum wichtig, sondern auch das Umfeld. Mit dem Demokratie-Mobil wollen wir ein Angebot für mehr Akzeptanz und gegenseitige Verantwortungsübernahme in unsere Kieze bringen und jungen Menschen zeigen: Ihr habt eine Stimme!

Am Morgen des 5. März steht ein bunter Doppeldecker-Bus vor der Marcana Gemeinschaftsschule in Berlin-Marzahn. Das Demokratie-Mobil ist an Schulen in ganz Berlin unterwegs und bietet Workshops für Heranwachsende zu Themen rund um Demokratiebildung an. „Das Demokratie-Mobil dient als eine Art rollendes Klassenzimmer, mit dem wir Demokratie erlebbar machen wollen“, erklärt Seyran Ateş, Initiatorin des Projekts. Der Bus ist seit 2023 im Einsatz und wird vom Berliner Senat gefördert.  

Nun macht er auch in unserem degewo-Kiez an der Marcana Gemeinschaftsschule halt. Damit wollen wir gegenseitige Akzeptanz und eine gute Nachbarschaft in unseren Quartieren fördern. Im Rahmen unserer Kooperation mit dem Demokratie-Mobil durften erste Schulklassen in Marzahn das Angebot kennenlernen und an offenen Stationen dem Begriff „Demokratie“ spielerisch auf den Grund gehen. 

Seyran Ateş im Interview

Mit dem Demokratie-Mobil setzt sich Seyran Ateş für Demokratiebildung an Schulen ein. Im Interview hat die Juristin, Autorin und Aktivistin erzählt, wie die Idee fürs Demokratie-Mobil entstanden ist, warum Demokratie ein wichtiges Thema für Kinder und Jugendliche ist und welche Auswirkungen Demokratiebildung auf die Nachbarschaft und das Zusammenleben im Kiez haben kann.

Demokratiebildung mit spielerischen Workshops 

Im unteren Teil des Doppeldecker-Busses wartet ein Jenga-Spiel auf die Schülerinnen und Schüler. Auf den aufgetürmten Holzsteinen stehen unterschiedliche Begriffe zum Thema Demokratie, die sie gemeinsam erklären sollen: von „Grundrecht“ über „Kompromiss“ bis „Rechtsstaat“. Kommen sie mal nicht weiter, helfen die Stationsleitenden des Demokratie-Mobils und regen zur Diskussion an.  

Beim Demokratie-Memory im oberen Teil des Busses sind die Schülerinnen und Schüler auf der Suche nach passenden Bildpaaren. Die Fotos auf den Karten zeigen unterschiedliche Szenarien und Orte, etwa eine Gruppe von Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe oder eine ältere Dame an einer Wahlurne – oder wie eine Schülerin der fünften Klasse es beschreibt: „eine Omi, die einen Brief verschickt“. Finden die Kinder und Jugendlichen ein Bildpaar, müssen sie erklären, was auf den Fotos zu sehen ist und was das mit Demokratie zu tun hat. 

Ganz vorne im Bus können sich die Schülerinnen und Schüler mit bunten Fensterstiften an den großen Scheiben des Demokratie-Mobils austoben. Sie dürfen alles aufschreiben, was ihnen zum Thema Demokratie einfällt. Bereits nach kürzester Zeit sammeln sich zahlreiche Begriffe an den Fensterscheiben: „Deutschland“, bestimmte Parteien oder auch Namen von Politikerinnen und Politikern tauchen besonders oft auf.  

Mitbestimmung im Schulalltag als gelebte Demokratie 

„Die verschiedenen Stationen haben sehr viel Spaß gemacht“, sagt Almir aus der achten Klasse. „Es war mal was anderes, als nur im Klassenzimmer zu sitzen.“ Für ihn ist Demokratie wichtig – auch wenn es in seinem Alltag in Gesprächen mit Klassenkameraden und Freunden selten Thema ist. „Demokratie bedeutet für mich, dass alle die gleichen Rechte haben und jeder seine Meinung sagen darf.“ Insbesondere in der Schule gebe es Berührungspunkte mit Demokratie, erzählt Elyas, ein Freund und Klassenkamerad von Almir. „Die Klassensprecherwahl oder die Schülervertretung sind ja auch Demokratie“, sagt er.

Demokratie bedeutet für mich, dass alle die gleichen Rechte haben und jeder seine Meinung sagen darf.

- Almir, Schüler der achten Klasse an der Marcana Gemeinschaftsschule in Marzahn

Auch bei den jüngeren Schülerinnen und Schülern der fünften Klasse ist es immer wieder die Klassensprecher-Wahl, die Anhaltspunkte für den noch sehr komplex erscheinenden Begriff „Demokratie“ liefert. Lehrer Tim Brock sieht die Mitbestimmung von Schülerinnen und Schülern im Schulalltag als wesentlichen Bestandteil der Demokratiebildung an Schulen: „Die Schülerinnen und Schüler sind sehr aktiv in der Schülervertretungs-Arbeit geworden. Wenn es Konflikte gibt, versuchen die Schülerinnen und Schüler das selbst in die Hand zu nehmen. Wir helfen natürlich, wenn sie nicht weiterkommen.“ 

Demokratiebildung für Zusammenhalt im Kiez 

Für Tim Brock ist Demokratiebildung entscheidend für das Miteinander im Klassenzimmer und in der Nachbarschaft. „In Marzahn ist das soziale Umfeld sehr divers. Gerade deswegen ist es wichtig, dass wir als Schule den Schülerinnen und Schülern den Raum geben, um zu lernen, wie sie ihre Meinung äußern, andere Meinungen zu akzeptieren und Kompromisse zu finden“, findet der Lehrer.  

Als kommunales Wohnungsunternehmen sehen auch wir uns in der Verantwortung, in unseren Kiezen für gegenseitige Akzeptanz und eine gute Nachbarschaft zu sorgen. „Das Demokratie-Mobil ist für uns ein konkreter Beitrag, Demokratie erlebbar zu machen und jungen Menschen zu zeigen: Eure Stimme zählt“, sagt Christoph Beck, Mitglied des degewo-Vorstands. „Für uns als degewo ist das kein Zusatz, sondern Teil unseres gesellschaftlichen Auftrags“, bekräftigt Pascal Atzert, ebenso Teil des Vorstands bei degewo. 

Eine Gruppe Kinder und zwei Erwachsene stehen im Demokratie-Mobil und spielt Demokratie-Jenga. Zwei der Kinder melden sich. © Credit: Tilo Wiedensohler/camera4
Eine Gruppe Jugendlicher sitzt um einen Tisch mit umgedeckten Karten im Demokratie-Mobil. Ein Junge dreht eine der Karten um. © Credit: Tilo Wiedensohler/camera4
Mehrere Kinder stehen und sitzen hinter der Frontscheibe des Demokratie-Mobils und schreiben etwas mit Fensterstiften an die Scheibe. © Credit: Tilo Wiedensohler/camera4
Vier Kinder und ein Mann stehen um einen kleinen Tisch im Demokratie-Mobil und stapeln Holzsteine auf einen Jenga-Turm. © Credit: Tilo Wiedensohler/camera4
Vier Jugendliche sitze im Demokratie-Mobil um einen Tisch. Auf dem Tisch liegen mehrere umgedrehte Karten. Ein Mädchen dreht eine der Karten um. © Credit: Tilo Wiedensohler/camera4
Mehrere Jugendliche sitzen um einen Tisch mit umgedeckten Karten. Einer der Jugendlichen hält zwei Karten mit Fotos vom Bundestag nebeneinander. © Credit: Tilo Wiedensohler/camera4
Ein Mann hält eine Karte mit vielen unterschiedlichen Menschen hoch und zeigt sie einem Kind. Im Hintergrund sitzen weitere Kinder und spielen eine Memory-Spiel. © Credit: Tilo Wiedensohler/camera4
Seyran Ates steht umringt von einer Gruppe Menschen und spricht. © Credit: Tilo Wiedensohler/camera4
Eine Menschengruppe steht vor dem Demokratie-Mobil. © Credit: Tilo Wiedensohler/camera4
Das Demokratie-Mobil steht vor der Mercana Gemeinschaftsschule in Berlin Marzahn- © Credit: Tilo Wiedensohler/camera4

Erfolgreicher Auftakt des Demokratie-Mobils 

Die Auftaktveranstaltung mit den offenen Stationen war erst der Anfang unserer Förderung des Demokratie-Mobils an der Marcana Gemeinschaftsschule. An weiteren Terminen sollen die Schülerinnen und Schüler in längeren Workshops ihre Erkenntnisse zum Thema „Demokratie“ vertiefen. Doch auch die ersten Berührungspunkte zeigen bereits Wirkung: „Ich habe heute gelernt, dass ich eine Stimme habe“, sagt Aylin, Schülerin der fünften Klasse.